Kölle Alaaf & Helau


Die diesjährige Session des Karnevals ist kurz und es bleibt den Veranstaltern nicht viel Zeit, mit maßgeschneiderten Sicherheitskonzepten, auf die neue Bedrohungslage, der sexualisierter Gewalt gegen Frauen, auf Straßen und Plätzen der Stadt zu begegnen.

Die Berichte und Bilder von der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof sind eindringlich und unmissverständlich.

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Eines zeigt einen Pulk, von überwiegend jungen Männern. Die orientalischen Gesichtszüge dominieren neben vereinzelten Frauenköpfen, dicht an dicht gedrängt. Die Passagen sind überfüllt, Reisende und Fußgänger teilen sich die niedrigen Durchgänge des Kölner Hauptbahnhofs. Und das Nadelöhr dient vielen Kölner, die zu fuß unterwegs sind, als Nord-Südpassage, vom südlichen ins nördliche Zentrum der Stadt.

Er ist ein Schmelztiegel von Aktivitäten und das ist auch das Resultat einer Planungspolitik, die den Bahnhof zum großflächigen Marktplatz und Wartesaal umgewandelt hat. Hier wird nicht nur an- und abgereist, hier werden Geschäfte gemacht und nur der überlebt, der für die eilenden und verweilenden Massen passenden Angebote macht.

Der Bahnhof ist eine Fressmeile, wie ein offener Stall der Massentierhaltung, fast wie ein Basar – es fehlen nur noch die Teppich und Gewürzhändler, mit den unterschiedlichsten Angeboten. Wer hier seinen Hunger und Durst nicht gestillt bekommt, dem kann man auch anderswo nicht mehr helfen. Doch wer Blumen zur Begrüßung der Liebsten sucht, muss sie von außerhalb mitbringen, das war früher anders, da konnte man noch im letzten Moment einen Strauß, die alles erklärende rote Rose ergattern. Tempi passati.

Heute sind Verhaltenspsychologen die neuen Souffleure der Politik, sie haben hinter den Kulissen das Wort. Sie empfehlen den Politikern den Bürgern mit eindeutige Handlungsanweisungen zu begegnen: tuen oder lassen sie dies oder das, halten sie Abstand von jenen und folgen sie diesen bzw. uns.

Auch die, von den Folgen eines irren Attentats genesene neue Oberbürgermeisterin Kölns scheut nicht davor zurück die Bürgerinnen mit ganz konkreten Handlungsanweisungen auf die närrischen Tage vor zu bereiten. Sie die Integrationsexpertin, die von weniger als der Hälfte ihrer Untertanen gewählt wurde.

Bleibt in Gruppen, fallt nicht jedem um den Hals, der euch lieblich anlächelt, haltet eine Armlänge Abstand – so die erste Frau, der ach so weltoffenen, bunten und gastfreundlichen Metropole am Rhein.

Ich beginne mir die Frage zu stellen, ob es nach den Frauenparkplätzen jetzt auch bald separate Ein- und Ausgänge für Frauen an Bahnhöfen und Sportplätzen geben wird? Werden wir in letzter Konsequenz wieder die Geschlechter im öffentlichen Raum trennen? Sind wir wieder soweit, dass es sinnvoll ist Jungen und Mädchen, in voneinander räumlich und zeitlich getrennten Schulen und Universitäten zu unterrichten? Es ist erst 60 Jahre her, dass wir diese Geschlechtertrennung aufgegeben haben. In der islamischen Welt ist die Geschlechtertrennung Alltag. Es ist keine Frage, dass dieses Modell in Europa keine Chance hat.

Das Bahnhofskonzept von Köln zeigt, was passiert, wenn man den öffentlichen Raum in seiner Multifunktionalität überstrapaziert – Er wird unkontrollierbar und selbst zum Risiko, weil er mehr sein will, als eine An- und Abreisestation. Ein Laufstall, ein Wartesaal, für all jene, die ziellos umher irren, auf der Suche nach einem besseres Leben, die sich langweilen und unterfordert sind.

Die aktuellen Ereignisse der Silvesternacht 2015/2016  und die damit einhergehende Empörungswelle offenbaren einen Wort- und vielleicht auch einen Paradigmenwechsel – Jetzt wird die Einzeltäterschaft betont und jeder Hinweis auf ethnische und kulturelle Gemeinsamkeiten verpönt, eine gruppenmäßig organisierte Tat verneint – Ein Tätervolk soll und darf es nicht geben. Wieso?

Die Kultur ist nicht entschieden, aber die Kultur entscheidet, sagen kluge Anthropologen – Ja, in was für einer Kultur wollen die leben, die zu uns kommen und wissen wir eigentlich selbst in welcher Kultur wir leben?

Jetzt wird ungern von Flüchtlingen und vorzugsweise von Migranten gesprochen – während das Ausland mit Kopfschütteln Parallelen zu ähnlichen Vorkommnissen in Kairo und Indien zieht.

Doch, wer sich zwei Jahrzehnte lang vehement, mit Händen und Füßen gegen ein Zuwanderungsgesetz ausspricht und lieber die aktuelle Zuwanderung über das Asylrecht organisiert, darf sich nicht wundern, wenn ihm die eigene Bürgerschaft zunehmend misstrauisch begegnete, das Vertrauen entzieht, weil ihm die moralinsaure Begründung zum Hals heraushängt.

Im Karneval 2016 wird wohl auf den Straßen mit dem „Burka-Mariechen“ angetanzt. „Tanz Mariechen tanz“. Die karnevaleske Freizügigkeit der närrischen Tage ist für Muslime eine Provokation. Die Ereignisse der Silvesternacht auf den Straßenkarneval projeziert lässt nichts Gutes erwarten und die Gruppe muslimischer Jugendlicher stellen ein erhöhtes Risiko für die körperliche Unversehrtheit von Frauen dar. Wer sich nicht begrapschen lassen will, wird wohl auf den Straßenkarneval verzichten müssen.

Als Vater von zwei Töchtern stellt sich mir auch die Frage, ob wir zum eigenen Schutz, nicht doch auch unsere Waffengesetze überdenken müssen, wenn der Staat sein Gewaltmonopol gar nicht mehr durchsetzen kann. Es muss jedem mutmaßlichen Täter klar sein, dass er  Gegegenwehr nicht ausschließen kann, sei es weil die Frauen adäquat bewaffnet sind bzw. wirkungsvolle Griffe der Selbstverteidigung (Krav Maga) beherrschen.

Die Wiever am langen Vater Rhein, von Basel bis Xanten werden wohl aufs Bützen von Fremden in dieser Session verzichten müssen und die USA rucki zucki eine Reisewarnung für die närrischen Hochburgen aussprechen – Oder ist doch noch das Rheinische Grundgesetz gültig – „mäht nix, jeder Jeck is anders“ – und ich alter Narr sag: Kölle Allaf & Helau.

„Nur keine Hemmungen“? „Einmal im Jahr ist Karneval“? „Heute hauen wir auf die Pauke“? Und das jetzt? Wenn wir doch gerade erlebt haben, was enthemmte Menschen, enthemmte Männer in diesem Fall, anrichten können – mitten in der fünften Jahreszeit, wenn auch völlig losgelöst von ihr.

„Wir werden uns das Karneval-Feiern nicht nehmen lassen“, sagt die Oberbürgermeisterin der Karnevals-Hochburg Köln – und denkt zugleich laut über neue Verhaltensregeln für die tollen Tage nach. Was die OB geritten zu meinen sich mit einer Armlänge gegen enthemmte Jugendliche schützen zu können, was?

Regeln? Für ein Treiben, dessen Sinn gerade in seiner Regellosigkeit liegt? Aber Vorsicht: Der Karneval ist auch ein Spiel mit Grenzen. Und sei es die Aschermittwochs-Grenze, jenseits derer umso mehr verboten ist, was sich viele Menschen in der Session erlauben. Über die Binnengrenzen des Karnevals machen wir uns allerdings nur dann Gedanken, wenn verstörende Ereignisse uns mit der Nase darauf stoßen. „Mer stelle alles op der Kopp“, heißt diesmal in Köln das Motto. Genau da liegt der Sinn des Karnevals und genau da gähnt auch sein Abgrund. (HR2 Kultur )

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