Je suis Charlie – Wir haben die Freiheit – Nehmen wir sie uns


FotoEin Jahr ist es her, dass die Redaktion von Charlie Hebdo in Paris Ziel eines niederträchtigen Anschlages wurde.

Wir sind 365 Tage weiter, das Ausmaß der Bedrohung, wie es Michel Houellebecq in seinem Roman „Soumission“ beschrieben hat, ist im Laufe des Jahres Wirklichkeit geworden. Auch wenn die erste Ausgabe des Satiremagazins nach den Anschlägen – „Alles ist vergeben“, vielleicht auch voreilig, allen vergibt; die aktuelle Ausgabe von Charlie Hebdo bringt es dahingegen unmissverständlich auf den Punkt – „Wir scheißen auf euch“, worum es tatsächlich geht, um die Anerkennung des laizistisch geprägten Staates, indem sich die Religion der weltlichen Rechtsprechung unterordnen. Der politische Islam ist weit entfernt davon diesen Laizismus anzuerkennen.

Heute findet in der islamischen Welt ein Machtkampf um die Deutungshoheit im Islam statt. Drei Parteien stehen sich gegenüber, da die Neoosmanen Erdogans, dort die Theokraten in Teheran und in Riad, die Wahabisten des Königreichs. Einer will das sagen haben und keiner einen eigenständigen, europäischen Islam dulden.

Ein Islam europäischer Prägung, mit einem modernen Frauenbild, geprägt von aufgeklärten Muslimen, die sich in Europa sozialisierten, wäre wünschenswert und ist doch ganz unwahrscheinlich. Den Ton in Deutschland geben die Salafisten und türkischen Islamverbände an. Mit u.a. dem Ergebnis, dass nahezu alle Islamkritiker in Deutschland selbst unter Polizeischutz gestellt werden müssen, ganz wie die Synagogen. Das allein schon ist ein Skandal, denn was ist unsere freiheitliche Grundordnung noch wert, wenn wir mit diesem alltäglichen und anhaltenden Bedrohungsszenarium leben müssen? Nichts – wirklich rein gar nichts!

Heute leben in Deutschland 5 Millionen Muslime, 1930 lebten im Deutschen Reich 1/2 Million Juden – das war den Nazis zu viel. Deutschland hat seit diesen dunklen Zeiten an Integrationskraft gewonnen. Selbst die mörderischen Brandanschläge von Rostock und Solingen, in den 90 iger Jahren und die Morde des sogenannten NSU, im ersten Jahrzehnt des neuen Milleniums, haben daran nichts geändert. Deutschland ist ein attraktives Einwanderungsland. Anders als in Frankreich und den Niederlanden kennt Deutschland noch keine politisch motivierten Mordanschläge von Zuwanderern an Bio-Deutschen (Autochtonen); Mordanschläge wie in Paris oder Amsterdam, an dem Filmemacher Theo van Gogh.

Menschen aus anderen Kulturen waren und sind in Deutschland immer schon willkommen, es ist kein besonderes Merkmal der jüngeren Zeit, keine Erfindung des Jahres 2015. Deutschland ist wegen seiner zentralen Lage in Mitteleuropa immer schon ein Zuwanderungsland gewesen, auch wenn das insbesondere die CDU immer vehement verleugnete. Die Integration gelingt dort, wo die kulturellen Schnittstellen die größten Gemeinsamkeiten ausweisen, z.B. bei den Zuwanderern aus Polen und sie hat die meisten Reibungsflächen mit jenen, aus dem türkischen und arabischen Kulturkreis.

In Frankreich sieht die Sache schon ganz anders aus. Paris kennt Vorstädte mit einer ganz besonders brisanten, sozialen Lage – Bannmeilen (Banlieus), aber dann auch Filme, die das Thema, Leben und Arbeiten mit Migranten auf besondere Art und Weise thematisieren – unmissverständlich und selbstironisch, wie  Monsieur Claude und seine Töchter oder Ziemlich beste Freunde. Beide Filme waren in Frankreich Kassenschlager und man möchte meinen, die französische Gesellschaft ist bezüglich der Integration von Migranten besonders sensibilisiert, um so verstörender ist dann der Angriff auf die Redaktion des Satiremagazins vor einem Jahr. Die weltweite und nationale Reaktion auf das Attentat haben aber auch gezeigt, wie wichtig den Bürgern die Meinungsfreiheit à la Charlie Hebdo ist. Letztlich spitzte sich diese Sympathie auch in der Aussage zu, dass Satire alles darf und insbesondere Religionen bissige Kritik vertragen und ertragen müssen.

Die Anschläge in Paris sind aber letztendlich auch ein Symptom für die Verweigerungshaltung vieler Zuwanderer selbst, die sich bewusst gegen die westliche Gesellschaft positionieren, sie für dekadenten halten und meinen deshalb das Recht zu haben, diese Gesellschaft mit äußerster Brutalität bekämpfen zu dürfen, im Namen ihres einen Gottes.

Das bürgerliche Engagement derer, die vor einer Islamisierung unserer Gesellschaft bzw. vor dem politischen Islam warnen verpufft ungehört. Die Kassandrarufe sind nicht gefragt, auch wenn die Zuwanderung anhält und auch jetzt noch täglich 3000 Zuwanderer neu gemeldet werden. Fakt ist Deutschland wird islamischer, ob es die Biodeutschen wollen oder nicht.

Das Straßenbild verändert sich, wie wir an den jüngsten Ereignissen zum Jahreswechsel vielerorts u.a. am Hauptbahnhof in Köln erfahren konnten. Dabei rückt das Bild von der Frau in den Fokus der Öffentlichkeit. Viele Migranten, viele neuen Mitbürger kommen aus Gesellschaftsgebilden, denen die Gedanken zur Emanzipation und Religionsfreiheit gänzlich fremd sind.

Wie nach den irren Mordanschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo vor 12 Monaten, heißt es auch Heute wieder, nach dem „sexistischen Terror“ gegen Frauen, von offizieller Seite, dass mit aller Entschiedenheit gegen die Angriffe vorgegangen wird und wir unsere Freiheitsrechte verteidigt werden – Was aber ist das für eine Entschiedenheit, wenn doch das Gegenteil passiert – der Staat sich ohnmächtig zeigt, wenn es unsere Bürgerrechte zu verteidigen gilt – sei es nun unser Recht auf Privatsphäre, das Recht auf Meinungsfreiheit und das Recht auf körperliche Unversehrtheit.

Es wird wohl Zeit, dass wir den Schutz in die eigenen Hände legen und uns angemessen ausrüsten – mit Waffen und mit Strategien zur Selbstverteigung, denn es geht Heute mehr den je um unsere Freiheit. Worauf warten wir? Es ist unsere Freiheit, nehmen wir sie uns!

One thought on “Je suis Charlie – Wir haben die Freiheit – Nehmen wir sie uns

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s