Pädophilie zwischen Opferschutz und Täterhilfe

„öffentlich ausstellt, anschlägt, vorführt oder sonst zugänglich macht oder herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, ankündigt, anpreist,
einzuführen oder auszuführen unternimmt“

Wer pornographische Schriften, die sexuelle Handlungen von, an oder vor Kindern zum Gegenstand haben, verbreitet macht sich strafbar. Strafbar macht sich auch, wer „bewusst und gewollt eine Internetseite mit kinderpornographischem Inhalt aufruft und auf seinem Bildschirm betrachtet.“ (Quelle FAZ, 15.02.2014)

Das ist eine recht weitgehende Strafbarkeit. Wieso sind die Neugierde und das Wissenwollen strafbar? Mit dieser Rechtsprechung wird die Neugierde bestraft, schon das Wissen wird damit zu einer strafbaren Handlung. Meines Erachtens wird hier über das Ziel hinaus geschossen.

Nacktbilder der eigenen Kinder, ein No-Go

Andererseits bleiben der Austausch und die Verbreitung der Nacktfotos der eigenen Kinder straffrei. Wieso? Dabei könnte man hier, zu recht und ohne wenn und aber fragen, ob nicht auch hier schon Persönlichkeitsrechte des Kindes verletzt werden. Halten wir Inne und fragen uns, in welchem Zeitraum entwickelt sich das Schamgefühl von Kindern? Welches Kind will schon gerne nackt fotografiert werden? Was ist das für eine elterliche Haltung, wenn die eigenen Kindern nackicht im Garten tollen und der Vater/ die Mutter dann die Kamera zückt und das Treiben fotografiert? Wer ist da der Voyeur? Ist das im besten Interesse des Kindes?

Wir sollten lernen anders über dieses sehr fragile Thema zu reden und aus der Sicht des Kindes die Strafbarkeit zu bestimmen. Wieso sollte die Weitergabe von Nacktbildern der eigenen Kinder keine Verletzung der Persönlichkeitsrechte darstellen, ist das religiös begründet? Nein, es ist meines Erachtens Ausdruck der Desensibilität der Eltern für die kindliche Intimität.

Stellen wir uns die Neugierde von Jugendlichen im Alter von 12-21Jahren vor, die sich zu diesem Thema informieren wollen und per Klick absichtlich oder unabsichtlich auf diese Seite gelangen, machen diese sich dann strafbar? Ich hoffe nicht!

Sperren und diskriminieren

Andererseits sollten Seiten mit solchen Inhalten gesperrt werden. Algorithmen sollten diese selektieren können und anzeigen. Außerdem sollten jegliche persönliche Bilder von Kindern nicht im Netz veröffentlicht werden dürfen, da wir nicht sagen können, dass dies mit Zustimmung der Kinder selbst erfolgt. Wieso nicht das strafbewähren?

Über das Schamgefühl

Das Schamgefühl ist ein sehr diffiziles Gefühl. Was für den einen schamlos ist, ist es für den anderen nicht. 80% der Kinder will nicht einfach fotografiert werden, strecken die Zunge raus, wenden den Kopf ab und machen im besten Fall Faxen, um nicht fotogen zu erscheinen. Eltern sollte sich dessen bewusst sein. Auch der Besuch eines FKK Events mit Kindern kann das Schamgefühl von Kindern verletzten. Die Idee von u.a. den Grünen, ausgesprochen und vertreten von der Berliner Abgeordneten Renate Künast, solche Fotos aus diesem Kontext zu tolerieren ist fragwürdig. Was ist hier mit der Subjektstellung des Kindes? Es sollte klar sein, ohne die bewusste Einwilligung der Kinder sollten solche Fotos nicht weiter verbreitet werden und hier sind die Eltern gefragt sensibler mit dem Schamgefühl ihrer Kinder umzugehen. Auch in der Kunst haben solche Ablichtungen nichts zu suchen, solange sie nicht den Künstler selbst abbilden.

Mädchen und Buben sind keinesfalls Freiwild der Eltern, insbesondere für die Rechte am Bild sollten die Eltern ein besonderes Verantwortungsgefühl entwickeln und sich in die Situation ihrer Kinder versetzen. Ich will jedenfalls keine Nacktaufnahmen aus meiner Kindheit im Netz wiederfinden, weil es ja so lustige Schnappschüsse, aus einem vermeintlich geselligen Urlaub waren!

Im Bundestag

Niemand gehört als Volksvertreter in den Bundestag, der meint über Server des Bundestages pornografische Inhalte konsumieren zu müssen, genau so wenig gehören Daniel Cohn Bendit und Volker Beck in ein Parlament, die ihre eigene sexuelle Präferenz zur politischen Thema machen, dann sollen sie als Lobbyist ihr Geld verdienen, aber solche Leute sollten nicht die Ehre widerfahren Volksvertreter sein zu dürfen. Haben Abgeordnete keinen Ehrenkodex? „Ich mache nicht meine persönliche Bedürfnisse und Interessen zur Programmatik meines politischen Handelns, weil ich dem Allgemeinwohl verpflichtet bin!“
Heute wird von DAX Unternehmen verlangt, dass sie eine Business Social Compliance formulieren. Wieso höre ich da nichts von Volksvertretern? Mandatsträger sollten einen vergleichbaren Kodex, einer Political Compliance unterschreiben.

Sebastian Edathy soll als Abgeordneter Zeit gehabt haben, über den Server des Bundestags, seinen Pädophilen Interessen nachgegangen zu sein. Wenn das so stimmt, ist das eine Frechheit! Wie es auch eine Frechheit von jedem anderen ist, wenn er sich im Rahmen seines Mandates auf Kosten des Steuerzahlers pornografische Inhalte anschaut.

Es braucht eine unabhängige außerparlamentarische Kontrolle, die rücksichtslos aufklärt, was über die Server des Bundestags von Abgeordneten abgefragt wird.

Was sind das bitte für Abgeordnete, Strafrecht hin und her, die meinen den Bundestagsserver dafür benutzen zu müssen? Wer sich erlaubt, in seiner Funktion als Abgeordneter Nacktbilder von Kindern bestellen zu müssen, gehört nicht in den Bundestag!

Opferschutz statt Opferhilfe

Spüren sie den feinen Unterschied, zwischen Schutz und Hilfe. Hilfe nimmt man in Anspruch, wenn man darum fragt, Schutz bekommt man, sie ist am sinnvollsten, wenn sie strukturell verankert ist. Ein Kindergarten, eine Schule, ein Sportverein schaut genau hin, was seine Mitarbeiter tun, besonders die ganz smarten, mit den lieblichen Mundwinkeln und den überzogenen Ansprüchen.

Mich interessiert nur eins, wie geht es den Kindern. Wer sind sie und wussten sie von der Veröffentlichung? Wie kann eine Gesellschaft ihre Interessen so stark machen, dass sie nicht lebenslang durch die Veröffentlichung gezeichnet sind? Wenn die Bilder, im Fall Sebastian Edathy, illegal entstanden und dann auf dem Markt angepriesen und verkauft worden sind, dann gehört der Mann vor Gericht gestellt, dann hat er zu erklären, wieso er es für nötig befand, dies im Kontext seines Mandats zu tun. Edathy erklärt, er hätte die Bilder legal erworben, vielleicht sollte er die Frage beantworten, ob er sich vorher vergewisserte, ob die Bilder legal entstanden sind!

Opferschutz beginnt in der Familie, und hört nicht in der Schule auf. Solange wir den Satz „Sex sells“ goutieren wird es skrupellose Geschäftsleute geben, die damit ihren Reibach machen. Hier können wir als Eltern, als Konsument Einfluß nehmen, schauen wir genau hin, wie jemand sein Geschäft macht und auf wessen Kosten. Vom Vorsitzenden des NSU Untersuchungsausschusses hätten wir erwarten dürfen, dass er diese Regeln auch für sich in Anwendung bringt.

Täterhilfe kein Täterschutz

„Stellen sie sich einen Fluss vor, bei dem an einer Stelle immer wieder Kinder hineingeworfen werden. Ist es wirklich die sinnvollste Rettungsaktion, sich einfach flussabwärts aufzustellen und die Vorbeischwimmenden wieder herauszufischen? Oder sollte man nicht eher den Menschen, der die Kinder hineinwirft, daran hindern, das zu tun? (Quelle Ulrike Lehmkuhl)

Vor mehr als 10 Jahren lernte ich im Rahmen einer Weiterbildung zum Thema „Tätertherapie ist aktiver Kinderschutz“ den niederländischen Psychotherapeuten Ruud Bullens aus Amsterdam kennen. Obiges Zitat stammt von ihm und es zeigt worum es bei diesem Komplex geht. Es geht nicht darum die Täter zu schützen, sondern sie für ein Therapiekonzept zu gewinnen, die Kinder vor ihren Übergriffen schützt. Die Kinder und Jugendpsychiaterin Ulrike Lehmkuhl aus Berlin hat in ihrem Lehrbuch Ethische Grundlagen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Bullens Therapiekonzept – Stufen der Gruppentherapie nach Ruud Bullens, ausführlich beschrieben. Im Weiteren zitiert Ulrike Lehmkuhl „Das Dilemma des pädophilen Menschen“, wie es Gunter Schmidt beschrieb.

Pädophilie ist eine Krankheit. (ICD 10-/DSM IV-Code). Pädophile leben unter uns, in allen Bevölkerungsschichten, sie sind im Alltag von Schulen, Kliniken, Kindergärten und Sportvereinen zu finden. Unter uns, heißt dann aber auch, dass wir uns dieser Erkrankung vorurteilsfrei stellen sollten. Wir sollten unterscheiden, was die Kinder brauchen und wie wir den Kranken begegnen. Opferschutz hat Vorrang, Krankheit hat Vorrang und muss von ausgebildeten Spezialisten behandelt werden. Spezialist für die Heilung ist nicht, wer selbst betroffen ist. Ja sie oder er sind kompetent und im Sinne einer klientenzentrierte Selbsthilfe für andere Täter kokreative Helfer. Doch Selbsthilfe ist kein Ersatz für die Therapie.

Auf der Therapieseite brauchen wir Professionals, die die Tricks und Manipulationen der Täter kennen und wissen, wie die Täter sich Opfer aussuchen und ermächtigen.

Es wird zu wenig für die Opfer getan und es gibt zu wenig Tätertherapeuten, die dort am Fluss stehen, wo die Kinder in den Fluss geworfen werden.

Wir werden dieses Thema nicht allein mit dem Strafrecht in den Griff bekommen. Wir müssen dafür Geld in die Hand nehmen und unsere Kinder dafür sensibilisiere, wie sie von Erwachsen manipuliert werden können und darin bestärken zu sagen, Nein, das will ich nicht und sich souverän aus der Situation befreien. Täter, so Bullens, erschleichen sich die Aufmerksamkeit liebes- und zuwendungshungriger Kinder. Satte Kinder werden auf dieses Spiel nicht eingehen. Opferschutz beginnt bei den Eltern. Wie bestärken Eltern Kinder in ihrem Willen Nein zu sagen, oder konditionieren sie die Kinder so, dass aus dem Nein, das will ich nicht ein Nein, das möchte ich nicht wird? Der Unterschied ist eindeutig! Es darf eben nicht heißen, das möchte ich nicht, sondern das will ich nicht, Finger weg, lass mich in Ruhe!

Beratungsstellen wie in Essen und Berlin tappen im Dunkeln, irren, wenn sie meinen Tätern kostenlose Angebote machen zu müssen. Der Abgeordnete Sebastian Edathy ist nicht arm, der kann sich eine Therapie leisten, wenn er denn die Einsicht hat, dass er krank ist und sich therapeutische Hilfe holen sollte. Therapie für Pädophile scheitert nicht an der Geldfrage. Pädophilie ist keine Frage des Prekariats. Ein kostenloses Therapieangebot ist aus systemischer Sicht ein No-Go. Die Gesellschaft muss nicht in Vorleistung treten damit Täter eine Therapie startet. Wer sich die Therapie tatsächlich nicht leisten kann und eine Therapie machen will, sollte, analog zu BAFÖG Regelung, einen zinslosen Kredit erhalten, wenn eine Therapie an der Finanzfrage scheitern sollte.

Der Fall Edathy offenbart, wie wir mit Thema Pädophilie und Sexualität in unserer Gesellschaft umgehen. Er zeigt das Dilemma zwischen Opferschutz und angemessener Täterhilfe. Das Strafrecht ist nicht der Hebel der hier erfolgreich regulativ eingreift.
Edathy dürfte sich über die Tragweite seines Handelns bewusst gewesen sein, es hat ihn nicht daran gehindert sein Verhalten zu bagatellisieren. Er hat sich scheinbar keine Gedanken gemacht, wie die Fotos zu Stande gekommen sind, es war für ihn nebensächlich, er hat eine Ware erhalten, die ihn befriedigte und das war gut so – für ihn.
Die Kinder und Jugendlichen spielten dabei für ihn keine Rolle! Wenden wir uns den Kindern zu und stellen wir uns an die Stelle des Flusses, wo die Kinder in den Fluss geworfen werden!

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wider die Stigmatisierung von Kindern

20 Million Kids & Adolescents are labeled with „mental disorders“ that are based solely on a checklist of behaviors. There are no brain scans, x-rays, genetic or blood tests that can prove they are „mentally ill“, yet these children are stigmatized for life with psychiatric disorders, and prescribed dangerous,life-threatening psychiatric drugs. Child drugging is a $4.8 billion-a-year industry. Get the facts about this multi-billion dollar industry that is labeling and drugging kids for profit.

Most of this is taking place in the public „education“ environment, a system designed since it’s inception in the 18th century in France and Prussia, to dumb the population down and make children „useful tools“ in the hands of governments and their military.

Heute habe ich obiges Video unter folgendem Text gesehen:
„Stimmt es also am Ende doch, dass der Mensch belogen sein will? Ja, es stimmt. Da er sein Glaubenssystem nicht aufgeben will, wird alles, was auch immer ein anderer sagt, zur Lüge.“

Das Zitat wird mit der Forderung beendet: „Die Labels müssen entfernt werden.“ –  und in meiner TL steht zu lesen: Wir brauchen eine radikale Personal-Entwicklung“
Ja,
 die Labels müssen weg. Sie stigmatisieren und sind wie ein Korsett, es schnürt das Selbst.  Hinterm Branding versteckt, sind die Labels wie ein Knopf im Ohr, es fehlt nur noch der Barcode, wie bei der Viehwirtschaft. Wir pflegen eine Label-Kultur, wir hängen den Kindern Labels an. Labels rechtfertigen Anderssein.
Einst kennzeichneten die christlichen Bürger ihre jüdischen Nachbarn mit einem gelben Ring, um sie von den anderen zu unterscheiden, aus dem Ring wurde ein Stern. We are all stars.
Da Vincis Postulat – „häng deinen Karren an einen Stern“, ist so gründlich missverstanden worden.

Wir labeln, als ob es um unser Leben ginge. Was hab ich nicht immer aus wohlwollendem Elternmund gehört? Fördern solang das Fenster noch offen ist, so früh wie möglich, am Besten mit drei und vier ans Klavier und dann kommt die böse Zeit, wenn die Kinder gegen ihre Eltern aufbegehren, in der 7., 8. und 9. Klasse auffällig werden, sich unangepasst verhalten, die Grenzen überschreiten und das Leben ausprobieren.

Dann sind Erziehungsberatungsstellen und Psychologen an der Reihe, dann ist das Geschäftsmodell Elterncoach gefragt, obwohl es doch ganz einfach sein könnte, entfernt die Labels und lasst die Kinder werden, was sie sein wollen, damit wir ihnen sagen können.
Ihr seid geworden, was ihr sein wolltet.

Königskinder…….

Wenn du bei MacDonalds einen Geburtstag feierst, dann bekommst vom Restaurantleiter eine Krone und einen Thron und für eine Mahlzeit bist du der King. Und das Strahlen im Gesicht des Jubilars sagt alles und vertreibt alle Zweifel über dieses Spiel. Wir wollen doch alle einmal König sein. Und die großen Augen sagen uns, siehe, ich kann das auch, ich bin jetzt groß, wie du und sage nie wieder Kleiner zu mir!

Und zurück im Kinderalltag sind wir Eltern die Größten. Und die Kinder denken selbst, ich bin das Zentrum und alles dreht sich um mich. Es gibt kein Kinderbuch, dass dies nicht thematisiert, groß sein wollen, wie die Erwachsenen, ein Auto fahren zu dürfen, aber dabei gleichzeitig immer noch im Zentrum stehen zu dürfen, wie in den Kindertagen.

Am Ende sind wir alle Satteliten, die sich um eine Sonne drehen. Doch wer ist der Fixstern der uns alle bindet? Oder ist es ein Doppelstern, um den wir uns oder zwischen denen wir uns bewegen? Wie sieht die Ordnung der Lieben in Familien aus, wer sitzt am Kopfende des Esstischs? Wer rechts und wer links? Wie viele sitzen am Tisch? Wie viele Schuhe stehen vor der Tür? Oder essen wir im vorübergehen, an fremden Tischen? Was für eine Sitzordnung lernen unsere Kinder kennen? Welche Tischordnung kultivieren wir?

Bürger haben sich selbst auf den Thron gesetzt, sich zu Königen und Kaisern gemacht, sich und ihrer Entourage mit Privilegien versorgt, damit noch deren Kindeskinder davon profitieren. Der Arbeiter wird Bürger und der Bürger Aristokrat und der Aristokrat König und Kaiser. Eine Karriere. Der Weg auf den samtenen Thron. Was davon vermitteln wir unsern Kindern. Wie gehen wir mit Macht und Kontrolle um, wie mit Druck, den einer auf uns ausübt, stellen wir uns Tod oder werden wir aktiv?

Wenn es Ordnungen der Liebe und Macht gibt, wie sehen sie aus? Ich denke an die Ordnung der Doppelhelix der DNA, an die Basenpaare, an die universelle Ordnung der Bausteine des Lebens. Ich erkenne da keine Superiorität eines Basenpaares, sie scheinen alle gleichberechtigt zu sein, sie scheinen einem bestimmten Ziel zu dienen, um zu leben, um zu sein. 

It’s a Boy

„Dieses Ritual widerspricht meinen jüdischen Werten -,
Tzaar Baalei Chajim“ Victor Schonfeld 

Der Dokumentarfilm über männliche Beschneidung des Regisseurs Victor Schonfeld, selbst Vater und Jude, untersucht innerhalb der jüdischen und muslimischen Communities in London die Auswirkungen des Eingriffs auf kleine Jungen als Frage der Kinderrechte.

Der Film wurde von “The Independent on Sunday” zum TV-Programm des Jahres gekürt und gilt nun als Standardwerk zur kontroversen Debatte über männliche Beschneidung.
Ursprünglich bei Channel 4 ausgestrahlt, zeigt IT’S A BOY Aufnahmen des Eingriffs und schildert seine Auswirkungen auf die Jungen. Regisseur Victor Schonfeld präsentiert die Diskussion als Frage der Kinderrechte und interviewt Experten jüdischen und muslimischen Glaubens, Mediziner und Familien. Seinen Schwerpunkt legt Schonfeld auf die aktuelle Situation der jüdischen Gemeinschaft in London und weltweit. (via Youtube It’s a boy) & (Haaretz, vom 12.10.2012, An end to the agony)

„Es wäre zutiefst beklagenswert, wenn die Beschneidung von minderjährigen Jungen in Deutschland legalisiert würde, sagt der jüdische Filmemacher Victor S. Schonfeld. Der Brite hat die Risiken des Rituals im Film „It’s A Boy!“ dokumentiert. Nun appelliert er an die Bundestagsabgeordneten, die Beschneidung ohne medizinische Gründe nicht zu erlauben.“
Ein Gastbeitrag in der SZ, vom 30.11.d.J. von Victor S. Schonfeld (full text)

Death of a parent in childhood

„What are the long term psychological effects of death of a parent during childhood?“ via Quora

Adultry as an effect of death of mother in childhood?

hi, i’m an artist and i try to understand something about myself and at the same time use the information for my art.
i lost my mother (leucymia) at the age of almost 8 years old, i’m the eldest of three children. my father remarried 5 months later his secretary and we moved away from the family. i never cried about the loss of my mother (until the age of 40), was always very strong and felt reponsable for my brother and sister. my father didn’t look much after us, he let my stepmother watch over us. there was absolutely no room for moarning (? english is not my language), we were told not to tell that my stepmother wasn’t our real mother etc. anyway, in therapy during university and in my forties i came to understand that people with a lack of affection in childhood will always look for this unconditional parent-love everywhere and will never be really satisfied. i’m 54 years old, i’m married to a man i love and with whom i have the live i love, but still i have this naîve idea of overwhelming love etc and because of that i’m sensitive to other men. as you can understand i try to understand this and at the same time i wonder if psychological research has shown that maybe ther is a corrolation between adultry and lack of affection in childhood? thank you christine

Alice Miller vs J.Harvey Kellogg

Du sollst nicht fühlen…

„Ein Mittel gegen Masturbation, welches bei kleinen Jungen fast immer erfolgreich ist, ist die Beschneidung. Die Operation sollte von einem Arzt ohne Betäubung durchgeführt werden, weil der kurze Schmerz einen heilsamen Effekt hat, besonders, wenn er mit Gedanken an Strafe in Verbindung gebracht wird. Bei Mädchen, so hat der Autor herausgefunden, ist die Behandlung der Klitoris mit unverdünnter Karbolsäure (Phenol) hervorragend geeignet, die unnatürliche Erregung zu mindern.“

John Harvey Kellogg, M.D., Treatment for Self-Abuse and its Effects, Plain Facts for Old and Young, Iowa: F. Segner & Co. (1888), Seite 295

Die einen reden von den 10 Geboten, die anderen sagen: Moses habe auf dem Berg Sinai, von G’tt, 613 Gebote (Mitzwe) erhalten, doch ein Gebot war nicht unter diesen, jenes Gebot fand erst tausende Jahre später die Jüdin Alice Miller aus Lemberg an den Ufern des Limmat. Alices Gebot lauetete, „du sollst nicht merken“.  Früh verinnerlicht und im Unbewussten wirksam, niemals beim Namen genannt – „du tust in Wahrheit das selbst, was dir in der Kindheit angetan wurde.“ Das obige Zitat, vor dem Hintergrund des alicischen Gebots refelektiert, wirft ein düsteres Bild auf die Jugendtage des kleinen John Harvey.

„[…] wohin ich schaue, sehe ich das Gebot, die Eltern zu respektieren, nirgends aber ein Gebot, das Respekt für das Kind verlangt.“ / Am Anfang war Erziehung

Denn jedes Kind lernt durch Nachahmung. Sein Körper lernt nicht das, was wir ihm mit Worten beibringen wollten, sondern das, was dieser Körper erfahren hat. Daher lernt ein geschlagenes, verletztes Kind zu schlagen und zu verletzen, während das beschützte und respektierte Kind lernt, Schwächere zu respektieren und zu beschützen. Weil es nur diese Erfahrung kennt.“ (…) „Wie wir wissen, eignet sich fast jedes Gedankengut dazu, den in der Kindheit mißhandelten Menschen als Marionette für die jeweiligen persönlichen Interessen der Machthaber zu gebrauchen. Auch wenn der wahre ausbeuterische Charakter der verehrten und geliebten Führer nach deren Entmachtung oder Tod zu Tage tritt, ändert das kaum etwas an der Bewunderung und bedingungslosen Treue ihrer Anhänger. Weil er den ersehnten guten Vater verkörpert, den man nie hatte.“  / Dein gerettetes Leben  von Alice Miller

15.10.2012 via FAZ
Faktencheck:
Leser recherchieren mit
Beschneidungsethik – erlaubte Körperverletzung?

Wo nun die Beschneidung bei Jungen auch ohne medizinische Indikation bald erlaubt oder zumindest straffrei sein wird: Können Ärzte diese überhaupt durchführen? (full text)

Brit Mila V

Ein Plädoyer für mehr Gelassenheit

Hier mein Beitrag iSienceBlogs zur Diskussion zu einem Artikel von Christian Reinboth, Was dürfen Ärzte?, vom 31.08.2012,mit über 580 Kommentaren.
Mehr zur aktuellen Diskussion in den beiden Leitmedien FAZ & SZ

Worum geht es eigentlich bei diesem Diskurs? 

1. Es sollte jedem vernünftigen Menschen klar sein, dass neu  geborene Knaben nicht aus hygenischen Gründen beschnitten werden müssen, damit ihre zukünftigen Sexualpartner gesund bleiben.

2. Die Zirkumzision hat für das Judentum und den Islam eine konstituierende Relevanz, wie für die Katholiken die Taufe von Neugeborenen.

3. Es gibt keine Auschwitz-Keule! Das was in Auschwitz und Treblinka passiert ist, ist so ungeheuerlich, das wir Nachgeborenen, mit Demut den Blick zurück wagen sollten. Die Nachgeborenen der Überlebenden haben alles Recht immer wieder daran zu erinnern-, wer wen nicht sie, hätte sonst das Recht dazu?

Wer Auschwitz als Kind überlebte und zusehen musste, wie die eigenen Eltern brutal ermordet wurden, ist in einer Weise traumatisiert, wie wir es uns nicht vorstellen können. Und allein deshalb, weil die Eltern einem Volk angehörten, dem die Nazis im Besonderen den Krieg erklärten. Ein Trauma das Bände füllt und manch einer nicht überlebte und manch einer sich deshalb aus dem dritten Stock in den Tod stürzte -, wie Primo Levi, in stillem Gedenken.

Und hier komme ich zu dem Punkt, der mir bei dieser Diskussion zu kurz kommt. Die Traumafrage: ICH stimme als Therapeut und Arzt uneingeschränkt dem Grundsatz, primum nihil nocere zu. D.h. für mich ist selbstverständlich, dass jedes Kind, in jedem Alter ein Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit hat und das wir Erwachsenen dies vorrangig zu schützen haben.

Babys und Knaben die Vorhaut ohne Betäubung zu beschneiden traumatisiert und das Ritual hinterlässt Spuren im unterbewussten Erleben des Menschen. Dies wussten auch die Vorväter vor uns und deshalb betteten sie das ganze Ereignis in einen festlichen Kontext ein, um die Folgen abzufedern,  denn auch ihnen war klar: „wir machen nicht Erfahrungen, sondern Erfahrungen machen uns.“ Es ist völlig legitim, diese Erfahrung mit einem fulminanten Fest zu überhöhen, wir wissen, dass das Menschen hilft, im Positiven die schmerzhaften Erfahrung zu verarbeiten. Wir können sagen, die Inszenierung der Festlichkeit ist eine Form der Wiedergutmachung, gegenüber dem neuen Mitglied der Gemeinschaft, ob man dies nun nach vollziehen kann, will und gut findet oder nicht.

Die Zirkumzision, wie ich es verstehe, ist im Judentum eine Überlebensstrategie. Sie ist die notwendige Antwort auf eine Bedrohung. Sie wird als konstituierend beschrieben, sie besiegelt die Zugehörigkeit des Neugeborenen zu seinem Volk, wie auch immer der Hintergrund der Bedrohung erlebt wird. Moses Frau Zippora retten ihren Sohn, weil sie die Beschneidung nachholt, wo der  Vater – Moses – sich selbst vor der Verantwortung gedrückt hat dies zu tun. Nachzulesen in Exodus 4,25.

Ich möchte mit meinem heutigen Beitrag den Blick auf diese Strategie schärfen, denn ich denke, dem Dialog, den wir hier exemplarisch führen, fehlt die nötige Gelassenheit. Wir sind behaftet und in diesem Zustand ist es schwierig zu zuhören, was mein Gegenüber wirklich meint. Keiner im Islam oder Judentum will das Wohl der Kinder verletzen. Das suggerierte Unterwerfungsritual ist bei weitem nicht von solch einer Brutalität gezeichnet, wie es mit den Worten von Verstümmelung und Amputation unterstellt wird.

Ich will auch nicht die reale Belastung der Kinder, mit dem Einen und dem Anderen Erlebnis vergleichen. Mein Vergleich bezieht sich auf den Kontext, in dem sich das Eine ereignet und wie es eingebettet wird. Das was die Kinder in Auschwitz erlebten bleibt unvergleichlich, ihre Ohnmacht, als sie zusehen mussten, wie ihre Eltern unterworfen wurden, bleibt eine Mahnung – unauslöschlich in die Menschheitsgeschichte eingebrannt. Die Infragestellung der Praxis der Beschneidung wird von jüdischer Seite als ein Menetekel verstanden und so ist auch die Aufregung in den jüdischen Gemeinden verständlich.

Rembrandt H.v.Rijn Belsazar National Gallery London
Rembrandt H.v.Rijn Belsazar National Gallery London

Die Überlebenden dieser Generation tragen dieses Trauma der Unterwerfung ihres Volkes in ihren Herzen. Ihnen deshalb mangelnde Empathie zu unterstellen ist ein al zu einfacher Versuch die Stagnation in der Diskussion zu erklären. Wem das konstituierende Moment dieses Rituals fremd und unverständlich ist, wird auch das Trauma welches dieses begründet nicht verstehen. Wem der Schmerz des Säuglings fremd und unverständlich ist, wird auch das Trauma der Kinder nicht verstehen, die mit ihren Schmerzen allein gelassen werden. Nochmals: „wir machen keine Erfahrungen, Erfahrungen machen uns!“

Es ist meiner Ansicht nach auch unerheblich, wie alt dieses Ritual ist, ob es nun seit 4000 Jahren oder seit 1200 Jahren praktiziert wird. Es ist eine Antwort der Gemeinschaft auf ein Bedrohungsszenarium und soll die Reihen innerhalb des Volkes stärken. Mit Auschwitz hat das europäische und insbesondere das deutsche Judentum in dieser Hinsicht zu Recht die Gelassenheit verloren. Die Bedrohung des Judentums in Deutschland war real und ist auch nach 1945 weiterhin ganz real, es wurden Juden auf offener Straße diffamiert und sogar erschossen.

Die Deutsche Zivilgesellschaft hat nach 1945 die Aufarbeitung der Schreckensherrschaft nur zögerlich begonnen. Der Film die Shoa von Claude Lanzmann, hat eine breite Diskussion eröffnet. Sicher im Vergleich mit Japan hat die Zivilgesellschaft der Bundesrepublik geradezu offensiv die eigene Verantwortung für den europäischen Teil des zweiten Weltkriegs diskutiert und erforscht. Doch die Art, wie insbesondere in der Adenauerära mit dem Erbe des Nationalsozialismus umgegangen wurde, hat die Wunden nicht kleiner, sondern die Skepsis und Bedenken eher größer werden lassen.

Doch das aus meiner Sicht Entscheidende, wird weiterhin klein geredet. Es ist die Dimension des Schadens, den die Naziherrschaft, durch die nahezu vollständige Vernichtung der deutsch-jüdischen Kultur bewirkte. Die aufklärerische und insbesondere intellektuelle Gelassenheit des deutschen Judentums ausgehend von Moses Mendelsohn, Martin Buber, Franz Rosenzweig bis hin zu Viktor Frankel ist zerstört. Sigmund Freud konnte ganz gelassen darauf verzichten seine Söhne zu beschneiden, ohne das er deshalb des Verrates an seinem Judentum bezichtigt wurde. Diese verlorene Gelassenheit können die intellektuellen Beiträge von Micha Brumlik oder Michael Wolffsohn initiieren, bleiben aber vor dem Hintergrund der Geschichte eine Ausnahme.

Ich wünsche mir die Renaissance der Gelassenheit, auf beiden Seiten. Sicher sollen wir nicht Neugeborene mit unnötigen Schmerzerfahrungen belästigen, andererseits dürfen wir nicht das Trauma, in Folge der totale Vernichtung des deutschen Judentums in den Öfen von Auschwitz und Treblinka, und die davon ausgehende Bedrohung des Judentums in Deutschland ignorieren. Die Bedrohung war und ist real-, und die Beschneidung von Knaben, wie immer man dazu steht, eine Überlebensstrategie für das jüdische Volk. Die aktuelle Diskussion kann fruchtbar sein, der echte Dialog im Sinne Bubers Neues erbringen – insofern bin ich sehr optimistisch – so kann einer Kultur der Brit shalom statt einer Brit mila bereitet werden – in aller Achtsamkeit und in allem Gleichmut.