125. Geburtstag von Charles Spencer Chaplin

„Selbst als ich im Waisenhaus war, als ich die Straßen nach genug Essen absuchte, um am Leben zu bleiben, selbst dann hielt ich mich für den größten Schauspieler der Welt. Ich musste die überschäumende Fröhlichkeit empfinden, die aus absolutem Selbstbewusstsein stammt. Ohne sie geht man besiegt unter.“ Chaplin

Tempi pasati. „Als es die Westminster Bridge noch nicht gab, war die Kennington Road nichts weiter als ein Reitweg.“ So beginnt die Autobiografie von Charles Chaplin, die er mit über 70 Jahren schrieb. Im ersten Kapitel heißt es: „Ich wurde am 16. April 1889 um acht Uhr abends in der East Lane in Walworth geboren.“ Den Stadtteil Londons, wie auch die East Lane findet man auch heute noch auf den Stadtplänen der Stadt.

Nur weil sein Vater, ein Sänger, Schauspieler und, wie viele Vaudeville Künstler, dem Alkohol verfallen, in behördlichen Angelegenheiten kein zuverlässiger Zeitgenosse gewesen war, wurde die Geburt, des  Erfinders des Tramp, unvollständig beurkundet, so dass der eine oder andere Zeitgenosse Zweifel über Geburtstag und Ort von Chaplin meint säen zu können. Doch nichts deutet darauf hin, dass Chaplin nicht in London und nicht an diesem Tag geboren wurde, denn seine Eltern und sein 4 Jahre älterer Bruder Sydney lebten seit Mitte der 80iger Jahre in diesem südlichen Stadtteil Londons.

Vor 125 Jahren gebar Hannah Harriett Chaplin, geb. Hill, diesen einzigartigen Künstler, den wir mit Melone, Stock und zu großen Schuhen kennen und der für immer und ewig zum Sinnbild des Stummfilms wurde.

Wer heute, mit Verweisen auf die Scheidungsakten von Charles Spencer Chaplin meint mit der Moralkeule am Denkmal des Superstars der Stummfilmzeit rütteln zu müssen, wärmt nur alte Kamellen auf, mit denen schon Schreiberlinge des Boulevards, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, mit Chaplin Schlagzeilen machten. Wenn man nichts Neues zum Werk und Meister zu berichten hat, dann eben an der Persönlichkeit sich ab arbeiten. Only bad bews is good news. Chaplin das Straßenkind der keine Schule besuchte, der Egomane, der Schürzenjäger, der wollüstige Weiberheld, der Frauenfresser, der Pädophile, der Salonsozialist, der Vaterlandverräter und Fahnenflüchtige, der Kommunist.

Die einen lieben ihn und die anderen hassen ihn, die Person Chaplin scheint auch über seinen Tod hinaus zu polarisieren. Er selbst beschreibt sich als konfliktscheu und harmoniebedürftig, andere sehen in ihm das perfekte System Chaplin, umgeben von seinen Freunden, seiner Familie, seinem 4 Jahre älteren Bruder, der für ihn seine Geschäfte regelt.
Wer nun meint Chaplins Persönlichkeit einseitig, verkürzt und an Hand von parteiischen Scheidungspapieren illustrieren zu können, ist wie ein Fischer, der blind nach der Forelle im Wasser greift und sich wundert, dass er mit leeren Händen nach Hause geht.

Doch gerade die Biografie Chaplins ist geprägt von seiner Auseinandersetzung mit seinen eignen Schattenseiten und ein exzellentes Beispiel, wie es einem, mit Hilfe der Kunst gelingen kann, diese Schattenanteile im Leben zu integrieren. Was hat er als Kind an Zurückweisungen und Ignoranz seitens seiner Eltern erlebt und wie hat er sich zu seinen Kindern. Brüdern und Freunden verhalten?

Chaplin gelingt, dank seines künstlerischen Eigensinns, was der Mehrheit der Zeitgenossen misslingt. Wer seiner abgespaltenen Wut, über Zurückweisung in Kindertagen, seinen Schattenanteilen nicht bewusst und selbst nicht künstlerisch unterwegs ist, wird kaum nachvollziehen können, was Chaplin mit seiner Kunst und seinem Erfolg gelang.

Für mich gibt es immer wieder einen Grund die Filme von Chaplin anzusehen, ich kann mich kaum satt an ihnen sehen. Er berührt immer wieder von Neuem, auch wenn man die Szenen schon zum x-ten Mal gesehen hat. Thax Charles Spencer Chaplin, have a nice day in heaven.

 

 

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Nero’s Satirische Replik: Rheingoldige Walhalla

Wagner – Wahnsinn – Walhalla

DER GANG NACH CANOSSAREUTH

von Klaus-Peter Schneegass, Bremen Juli 2013
Nun schieben sie sich wieder den GRÜNEN HÜGEL hinauf, die “elitären Massen“ aus Politik, Wirtschaft und wohl gerüstet rüstiger Rüstungsindustrie: Das alljährliche “Hochgesellschafts“-Spektakel (…“High Society“ Event…) der Bayreuther Bühnenweihfest-spiele steht einmal wieder auf dem Speiseplan der profilneurotisch Nimmersatt-“Staatstragenden“.

Ach – wie sind WIR doch KULTIVIERT! Ja – sind “wir“ das denn wirklich?

Wie kommt es nur, dass quasi “urplötzlich“ die vehementesten Verfechter und Eigennutznießer einer dumpfdreist verdummenden Unterhaltungsindustrie aus Rundfunk und Ferngesicht in der komplexen Harmonik eines “Pioniers der Neuen Musik“ – Stichwort: “Tristan-Akkord“: hört, hört, pfui, AVANTGARDE! – “schwelgen“ können?

Schnaps ist Schnaps und – Pflicht ist Pflicht und – Weizenbier bleibt Weizenbier, wie es gluckst und absäuft in den langen Opernpausen bei Bocksprungwurst und schattenmorelligem Wasserlassen und Kneippschem Abtreten. Denn eines muss man unserem 200 Jahre jungen Alt-Rocker Richard lassen: Er weiß es allzu gut, sein ihm selbst ästhetisch ungebetenes Publikum per Liebes- und Applausverbot auf die Folter zu spannen! Dafür bekommt das Rollkommando der anrollenden Prominenz der Staatsfreunde mit Staatsfreundin Nr. 1 an dero Spitze von den ausgesperrten Jubel-Voyeuren am Wegesrand reichhaltig “Backe-Backe-Kuchen“ spendiert. So hat sich die telegen gähnende Auffahrt doch noch gelohnt, gell? Zumal schon jetzt die vereinigten Wahlkämpfer und verkrampft Plakate klebenden parteisoldatisch Urnengangkämpfenden damit angehoben haben, für den bevorstehenden Kampf um die Stimme jedes Walesjeder Wal ist ein “Schicksalswal“! – unüberhörbar mit den Hufen zu scharren.

Da macht der “Marsch auf das Gesamtkunstwerk“ und seine intellektuell viel zu hoch (!) stehende zeitlos-elitäre “Leitkultur der Leitmotive“ zum Leidwesen der “textilstaatspolitisch Leidtragenden“ allemal – allemann – allevorfrau hochsommerlich erhitzten Hitzkopfsinn: “Schaut auf unsere Vorzeige-Masochisten, die abendgarderobig befrackt beim Restspielschmaus im Festspielhaus sitzen!“ 

Und das gemeine Fußvolk steht lächelnd am Wegesrand und lässt sich von den wahren Souveränen seine “de-facto-Souveränität“ wie ranzige Butter vom Brot nehmen. Ganz wie die exekutierenden Orchestergraben-Musiker in Badehose, T-Shirt und Märtyrerschweiß des eigenen Angesichts im weihevollen Rheingold-Es-Dur baden, so tummelt sich der “Souverän der Demokratur“ im Plastik-Püree seines Sommerhit-Planschbeckens am Rande des Baggersee-Mustopfes: “Schneewalzer ante portas“! 

Wann aber wird endlich aus dem auf “Staatsraison“ gebügelten “Bismarck der Musik“ wieder jener 1848 entfesselte antagonistische Revolutionär des Musiktheaters und der Künste (dessen sozialphilosophische Konzeption eine “Kunst als Religion“ war, in deren Mittelpunkt der durch “das Leben als Gesamtkunstwerk“ SPÄTROMANTISCH “geläutert-erlöste“  NEUE MENSCH der ultimativen “Erlösung dem Erlöser“ zustreben sollte) Wilhelm Richard Wagner, der immerhin einen Michail Alexandrowitsch Bakunin zu seinen Barrikadenkünstlerfreunden zählen konnte?

Adriano Celentano: So Non Voti Ti Fai Del Male

„TI FAI DEL MALE“ 2013

Se non voti ti fai del male
Se non voti ti fai del male
Eh mi vuoi dire per quale partito io dovrei votare
Loro promettono solo bugie
E ormai la politica è come lo sport
Facciamo il tifo per chi ci tradisce
Non più male di quei governi che abbandonano le donne
Sono più di cento in un anno le donne che muoiono
Da quei mariti e padri pazzi di gelosia
Merde senza un filo di dignità
[…]
E quindi cosa facciamo?
Non c’è altro mezzo per risolvere la crisi, dobbiamo cancellare tutto ciò che ci rattrista, stracciare il brutto dell’Italia come si straccerebbe una lettera scritta da uomini bugiardi e piena di errori, ma soprattutto piena di inganni. Quindi non ci rimane che riscrivere la storia del nostro Paese e rifarlo da capo, cioè ricostruirlo da capo, ricostruirlo fisicamente… da capo.
Se non voti non cambia niente
Se non voti ritornano ancora
Più male di così ci stanno rubando il mondo
Però si dice in giro che fra i partiti c’è
C’è un’onda nuova che è partita dal niente
E come una valanga
Sta avanzando come un ciclone
Per abbattere il marcio della nazione
[…]
Ma i politici non si accorgono
Che quando la bellezza morirà
Loro saranno i primi a sprofondare“
Adriano Celentano