Was hat das zu bedeuten, dass ich …. bin?

tetralemma

Stell dir einmal folgendes Szenarium vor, an einem Novembermorgen, in einer mittelgroßen Stadt, es ist Rush-houer, die Pendler strömen ins Stadtzentrum, eine einspurige Hauptverkehrsachse, leicht abschüssig, ein silbergrauer Golf – älteres Modell – will links an einem  Bus vorbei fahren, übersieht, dass der Bus sein „Knipperlicht“ angeschaltet hat und auf dem Weg  zurück in den Verkehrsfluss ist. Es kommt zum unvermeidlichen Crash, Glas zerspringt und die komplette rechte Seite des Volkswagens wird auf der ganzen Länge aufgekratzt. Die junge Fahrerin in Mark und Knochen erschüttert zittert, der Wagen des Vaters ist futsch. Der Busfahrer und die Fahrgäste fluchen. „Hätte die nicht besser aufpassen können?“ Der Fahrerin schießen tausend Gedanken durch den Kopf. Wie konnte das mir passieren? Ich hab doch aufgepasst, wieso ist der ausgeschert, hat der mich nicht gesehen? Wie konnte der nur?

Wir reagieren nicht auf das originäre Ereignis – den Konflikt mit der Vorfahrt, wir reagieren auf unsere Interpretation der Ereignisse. Beides können wir nicht unterscheiden, wir irren, wenn wir unser Handeln rechtfertigen und meinen, wir könnten objektiv sein, denn schon das geht nicht ohne Interpretation. Wir können gar nicht anders. Ein zu eins, identisch, deckungsgleich, so was gibt es in unserer Wahrnehmung nicht!. Wir bilden uns ein, wir hätten eine neutrale Sicht auf die Ereignisse, die wir tagtäglich erleben. Wir haben sie nicht. Diese Diskrepanz ist die Quelle aller unserer freudigen und erschütternden Erlebnisse. Wir reagieren nicht auf das Lächeln, wir interpretieren die geöffneten Lippen und reagieren auf unsere eigene Interpretation. Wir tun etwas hinzu und das ist ganz allein von uns. Und was wir hinzu tun hängt von unseren Befindlichkeiten ab. Unser Gegenüber ist da ganz und gar unbeteiligt, er oder sie bekommt die ganz Wucht unserer Phantasien zu spüren. Wenn wir hassen, so hassen wir das Bildnis das wir uns vom anderen machen. Was wäre die Lösung auf dieses unvermeidliche Unterfangen? Wieso nicht jedem Erstimpuls, jedem Erstgedanken das Gegenteil hinzu zufügen? Denn was es zu bedeuten hat, dass ich heute so traurig bin, hat mehr mit mir zu tun, als mit dem andren. (Graphik via Nitya)

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„Du siehst nur das was du erkennst“

Schafft Realität Wahrnehmung oder
kreiert Wahrnehmung Realität?
 

  • Was sehen und erkennen wir?
  • Was hören und verstehen wir?
  • Was fühlen und begreifen wir?
  • Wie nehmen wir unsere Welt wahr?

 

we don´t see things as they are;
we see things as we are

(Talmud)

Und dies Prinzip nutzt die Werbebranche unsere Aufmerksamkeit entlang unseren Bedürfnissen zu steuern.  Neuromarketing kennt die subtile Techniken, um unser Kaufverhalten  beim simplen Gang durch den Supermarkt auf allen Ebenen zu beeinflusst. Und sie sprechen alle unsere Sinne an und unsere Wahrnehmung ist manipulierbar.  Der Mensch bildet in seinem Kopf nicht die Wirklichkeit ab, wie der Fotoapparat auf einem Film, sondern er konstruiert sich seine Wirklichkeit. Was wir sehen und erkennen hängt von unseren Erwartungen und Erfahrungen ab.

Nehmen wir z.B. die Bilder des niederländischen Grafikers Maurits Cornelius Escher, die Treppen die hinauf, aber nirgends hinführen und doch meinen wir die Bilder in der Tiefe wahrzunehmen. Unsere Wahrnehmung spielt uns einen Streich, sie ist nicht zuverlässig. Sie bildet die Realität nicht 1:1 ab, sie liefert uns eine Illusion, ein Bild wie wir und was wir sie sehen möchten.

Zuverlässigkeit ist eigentlich kein psychologisches  Persönlichkeitsmerkmal, es beschreibt eine technische bzw. methodische Qualität und doch benutzen wir es, um menschliches Verhalten zu qualifizieren. Zuverlässigkeit ist keine der platonischen Tugenden. Wankelmütige Menschen sind uns suspekt, wir hüten uns vor ihnen. Zuverlässigkeit  bestimmt unser Zusammenlebens, sie wird gleichgesetzt mit Vertragstreue und ist in unserem Wirtschaftsleben essentiell und keiner würde von sich selbst behaupten er sei unzuverlässig. In keinem CV würde einer seine Unzuverlässigkeit, als die Kehrseite seiner Produktivität darstellen. Unzuverlässigkeit gilt als ein Risikofaktor.

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