Die Tigerin und Dario Fo

„Satire ist Satire und hat nichts mit Propaganda zu tun. Satire ist das schlechte Gewissen der Macht. Wer auch immer regiert, er wird automatisch zur Zielscheibe der Satire.“

Dario Fo zu Besuch in Frankfurt, er folgt der Einladung des Galeristen Peter Femfert – Die Galerie, im Grüneburgweg, um der Eröffnung einer Ausstellung seiner malerischen Arbeiten bei zu wohnen. Der Dramaturg und Maler ist gegenwärtig das prominentes und einflussreichste Mitglied von Beppe Grillo’s MoVimento 5 Stelle in Italien.

Nils Bremer berichtet von Treffen von Fo mit Studenten an der Fankfurter Universität, nachzulesen im Journal Frankfurt

Der Literaturnobelpreisträger, Dramaturg und Theatermacher Dario Fo stellte sich, sieben Tage nach dem Tod seiner Frau Franca Rame und Mitautorin seiner Theaterstücke, am 6. Juni, an der Johann Wolfgang v. Goethe Universität den Fragen einer kleinen Gruppe von Studenten. Er spannt einen Bogen von dem großen Italiener aus da Vinci bis zu Beppe Grillo.

Natürlich geht es um Kulturfragen, um Kunst und Politik, um die Frage der Selbstbestimmung des Menschen. Er wird gefragt:

 „Braucht der Mensch Führung, brauchen Sie Führung?“

Er antwortet mit Anekdoten aus dem Leben des Universal Genies. Dario Fo bekennt, wie ihn Leonardo da Vinci als junger Mann faszinierte, erzählt vom Entdecker und Erfinder, dem  Wasserbauer und dem Künstler da Vinci. „Also ja, ich ließ mich führen von seinen Geschichten“

Von Fo’s Erzählungen sind auch die Studenten aus allen Fachrichtungen in dem kleinen Seminarraum fasziniert. Eine Studentin fragt: „Herr Fo, sehen Sie die Besetzung von Häusern als legitimes Mittel des politischen Widerstands?“

In seiner Antwort erinnert der weise Mann an seine politischen Aktivitäten, für die er und seine Frau einen hohen Preis gezahlt haben. „Wie Sie vielleicht wissen, bin ich mehr als einmal festgenommen worden, wir saßen auch im Gefängnis und meine Frau wurde Opfer einer Vergewaltigung. Wir haben gemeinsam mit Arbeitern zusammen Fabriken besetzten, damit diese nicht dicht gemacht wurden. Da hingen auch Zulieferbetriebe dran, ganze Industriezweige und viele Arbeitsplätze“

Dario Fo, der Schauspieler und Dramaturg bekennt sich zu Beppe Grillo und seinen politischen Zielen. Er unterstützt ihn und warnt davor Grillo zu unterschätzen, wie es der Kanzlerkandidat der SPD getan hat, als er ihn einen Clown nannte. Grillo wird auch deshalb in Italien verächtlich gemacht, weil er dazu aufrief die Alimentation der Politik zu begrenzen bzw. zu beenden. Daraufhin sei Grillo insbesondere von den Medien Berlusconis niedergemacht worden und ihm würde unterstellt sich persönlich zu bereichern. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Auch auf der Veranstaltung in Frankfurt erzählt Fo die „Geschichte einer Tigerin“. Er begibt sich mit irrwitzigem Humor auf eine Spurensuche, vor dem Hintergrund der „Großen Chinesischen Revolution“.

 „Die Geschichte eines Soldaten der vor den Banditen von Chian Khaishek flieht, verwundet wird und auf eine Tigerin und ihr Junges trifft. Aus dieser ungewöhnlichen Wohngemeinschaft entspringen komische Verwicklungen, die das verrückte Geschehen spannend machen. Die Tigerin rettet dem Soldaten das Leben und behandelt seine Wunde mit ihrer Spucke. Nachdem der Soldat sie mit gebratenen Fleisch verwöhnt, flüchtet er in ein chinesisches Dorf – die Tiger und die Banditen finden seine Spur und verfolgen ihn.“

Dario Fo zitiert die Bauern von Shanghai:

„Wer den Tiger hat, der leistet Widerstand, auch wenn er die Glut in der bloßen Hand aufheben muss. … Wer den Tiger hat, verpflichtet sich, mitzumachen, stets gegenwärtig und verantwortlich zu sein. Nicht aus Misstrauen gegen vertrauenswürdige Parteisekretäre, sondern weil es ein idiotisches Krebsgeschwür gibt, das dem Klassenkampf schadet: die blinde Vertrauensseligkeit. Sie ist der Gegner von Vernunft und Revolution.“

Und Leonardo da Vinci – , der sei ja auch ein Dieb gewesen, ein Know-How-Dieb und in diesem Sinne solle auch das studentische Publikum an der Frankfurter Uni aktiv bleiben.

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Dario Fo: Populista vs. Damagogista

Poco prima della rivoluzione – by Dario Fo

„A lot of people are writing to me and telephoning, and there are even those who come up to me in the street to ask me: “but don’t you think that Grillo, apart from his talent, is in fact a populist?

Hang on a minute – I say – do you know the meaning of the term “populist”?
The dictionary says that a populist is one who wants to improve the situation of the people so that they can escape from the violence, the blackmail and the exploitation of the ruling class. Thus it is a positive term and it is completely the opposite of the other term: demagogue. Perhaps those people who casually use the term ‘populist‘ to denigrate an opponent, should go back to the dictionary and look up the word “demagogue” and they would find that it means ‘a person who uses well thought out hypocrisy to exploit the naïvety of a population to gain unwarranted advantage’.
Thus, dear friends, you have got the wrong term.
Now, it’s good practice when you are describing the behaviour of someone like Grillo, to know the meaning of the term that you choose.
Now take care. What I’m talking about is not just me being pedantic about words, but it’s something that insists on paying serious attention to the knowledge of the language.
Thus we are talking about having a very serious attitude when we are talking about a dialectical discussion.
This attention to detail is important especially nowadays, when all the media, the parties and above all the wise men of politics, the ones that say they understood everything about the new protest movement right from the start, now find that they are completely lost while sitting on the ground in the middle of the pile of shit which is the real world. These people either all together in chorus or on their own as soloists have been chanting their verdicts, so convinced that it was a matter of a bit of buffoonery without any political coherence. They scoffed: “We have already seen the exploits of the ‘ordinary man’ and the protest movements in 1968… they came into being and just as fast they exploded and smashed to pieces at their first encounter with reality.
The reason for those ephemeral meteors is doubtless the simple-mindedness of a generic protest, not backed up by even the tiniest bit of political analysis, but mixed up in the usual anarchic hotchpotch that has seen unrealistic characters like Lenin or the usual followers of Amadeo Bordiga, the caricatures of popular leaders, like Cola of Rienzo andMasaniello, who in fact ended up being lynched by their own supporters.
What happened at the end of an election campaign in which the conduct of all the parties was, to say the least, atrocious, and then when you think of the 5 Star Movement, it came out with a success that was way beyond every expectation.
I myself who have been experiencing things from inside the MoVement, I was just astonished by the final result. An event of this magnitude has never before happened in the whole of Europe. For someone not to understand that, means that they are completely obtuse.
Unfortunately in politics we have a heap of puffed up imbeciles who reckon they can sort out their simple-mindedness by winking and using little tricks.
Right now we are witnessing something like the dance of the stunned “tarlocchi”.

I’m sorry for you, dear masters of scornful gestures, but this time the dance is a different one. The orchestra, the musicians and the dancers have changed. It’s no longer “tango casquè” but “Rock”. (sung grammelot)
with anyone who is acting like a crafty fox and who stretches out their hands too much towards their backsides, being thrown into the air.“ (sung grammelot)
by Dario Fo 6.march 2013 via beppe grillo

Großartig – was in Italien passiert, es gleicht einem Wunder und doch ist es das Ergebnis von harter Arbeit. Seit 2005 mobilisiert Beppe Grillo, mit Hilfe von klugen Leuten, wie u.a. mit Dario Fo, Andrea Camillieri und Adriano Celantano eine Graswurzelbewegung, die der Jugend Italiens ein neues poltisches Zuhause gibt. Am Ende ist eine neue dritte Kraft im politischen Spektrum Italiens entstanden, jenseits der alten Sphären von rechts und links.

Es wird beispielhaft sein und Europa nachhaltig verändern, so wie immer wieder, das europäische Kulturleben, von Italien aus neu erfunden wurde. Es ist nicht ungefährlich, weil es gerade in Italien mafiose Kräfte gibt, die um ihre angemehmen „Wohnungen“ bangen müssen. Die Bewegung von Beppe Grillo bereitet gerade diesen Mächten unbehagen und sie werden der Jugend nicht kampflos das Spielfeld räumen, dass sie so lange unbekümmert bespielen konnten. Sie werden mit aller Macht versuchen die Kräfte mittels Bestechung aufzuweichen.

Das Programm der MoVimento  5 Stelle umfasst 20 Punkte, zwei will ich hervor heben, da ist einmal die Forderung nach einer Wahlreform und zweitens einer Reform der Parteienfinanzierung. Luigi P. Barsani wird diesen Forderungen nur untergeordnete Wichtigkeit zu gestehen und am Ende eine Regierung der sog. „nationalen Einheit“ mit der Partei Berlusconi’s suchen – eine große Koalition. Er wird, gegen besseres Wissen vor Reformen zurück schrecken, die längst überfällig sind.

mehr zum Thema via: Petra Reski, Ulrike Guérot, Lutz Klinghammer, Thomas Hauschild