1. September 2013: „There you go again!“

There you go again„, war die Antwort Ronald Reagans auf Jimmy Charters Ausführungen über die Notwendigkeit der Einführung einer allgemeinen Krankenversicherung. Reagan gewann die Debatte und die Präsidentschaftswahlen 1980. Die US Amerikaner sollten erst 30 Jahre später mit Obama 2010 eine Health Care Reform erhalten (PPACA).

Heute jährt sich zum 74. Mal der Beginn des 2. Weltkrieges. Selber stehen wir vor einer neuen Kriegsgefahr im Nahen Osten und in 22 Tagen können 62 Millionen Deutsche einen neuen Bundestag wählen. Die Kanzlerin trifft ihren Herausforderer zum sogenannten TV-Duell.

Aber duellieren sich hier zwei Kontrahenten? Steigen sie wirklich in den Ring zu einem offenen Schlagabtausch?

Nein, denn was wir erleben werden ist kein Duell sondern ein Duett. Die beiden stimmen sich ein auf die kommenden vier Jahre. Was mecker‘ ich? Muss ich hier den Miesepeter spielen? Ist ein Duett nicht allemal besser, als ein Duell?

Nein, denn mir ist jetzt schon übel, mein Mund voll und ich weiß nicht welchen Brocken ich zu erst ausspucken soll, wenn ich an das Duett von heute Abend denke.

Die beiden Hanseaten kennen sich gut, schon einmal hielten sie wie Pech und Schwefel zusammen, als sie uns in voller Inbrunst „alle Spareinlagen der Deutschen seien sicher“ vor sangen. Die Garantieerklärung war eine PR-Finte, wie die Rettungsschirme für Griechenland, das Wachstumsbeschleuniges-gesetz usw.

Später korrigierte die promovierte Kanzlerin ihre Garantieerklärung, so wie sie es wirklich gemeint hatte, denn nur im politischen Sinne wären die Einlagen sicher. Schön das wir darüber geredet haben.

Wie war das nochmal gemeint, wir haben am 22. die Wahl – ganz bestimmt nicht! Bin ich im Stummfilm, dürfen wir nur Gesten machen, aber bitte ohne Ton? Was wir noch zu sagen hätten, dauert mehr als eine Zigarette und ein Glas im Stehen.

Hier braut sich was zusammen, wird eine Mixtur vorbereitet, die wie ein Wolkenbruch über uns nieder gehen wird. Der damit verbundene Niederschlag wird uns ordentlich einnässen. Wir stehen vor der Banken- und Finanzunion, die diese beiden Protagonisten unbedingt brauchen, um ihre Vorstellungen von einer politischen Union Europas wahr werden zu lassen. Dabei spielen wir Bürger Deutschlands eine lustige Statistenrolle. Die des Wirtschaftsprimus und des Bösewichts.

Die Adjutanten haben dieses Duell gut vorbereitet. „There you go again“, wird nicht der Schlüsselsatz sein, der den Peer ins Kanzleramt katapultiert. Alles entscheidet sich an den Fragen, hat einmal die Kanzlerin gesagt, da hat sie recht! Wer die Fragen kontrolliert, hat auch die Themen unter Kontrolle. Die Story zählt und nicht die Fakten.

Welche Rolle spielen in diesem Stück die Journalisten? Küppersbusch statt Raab wäre ein netter Anfang gewesen. Mr. Gute Laune und immer einen flotten Spruch auf der Zunge, wird die Erwartungen an ihn enttäuschen, weil es werden die Pferde mit ihm nicht durchgehen, denn er wird sich nicht trauen, alles aufs Spiel zu setzen. Wird er vor 20 Millionen wirklich mal nicht die Goschn halten beim Thema Wahlversprechen und Politlügen? Stefan Raab ist kein Beppe Grillo, kein Adriano Celentano. Raab ergreift nicht Partei, es sei denn für sich selbst und das ist hier gute Tradition. Deshalb verwette ich meinen Allerwertesten, am Montag reden wir nicht über einen Eklat den Raab vom Maschendrahtzaun gebrochen hat, sondern davon, dass Peer und Angie gleich auf waren und der Herausforderer besser abschnitt, als erwartet. Und natürlich, wir haben uns alle lieb!

62 Millionen Wahlberechtigte werden am Nasenring herum geführt, wie der Ochse über den Markt. 20 Millionen werden sich verweigern und an den Wahllokalen vorbeigehen und der Rest wird im „Circus Maximus“ applaudieren. Wozu Teilhabe und Mitbestimmung, wenn wir es alleine doch viel besser können? Raab wird nicht beißen, Anne Will und die anderen schon gar nicht. Er wird auch nicht fragen, wer 2014 EU-Präsident wird und ob die Deutschen in einem Referendum über die Banken- und Finanzunion entscheiden.

Wir leben in postdemokratischen Zuständen, die Strom- und Benzinpreise steigen weiter, der Krieg in Syrien bekommt mehr Zunder und treibt noch mehr Menschen in die Flucht und ob ich nun wählen gehe oder nicht, ändert daran rein gar nichts.

Heute Abend habe ich die Wahl, ich werde dem Leben immer einen Whisky voraus sein.

Die Tigerin und Dario Fo

„Satire ist Satire und hat nichts mit Propaganda zu tun. Satire ist das schlechte Gewissen der Macht. Wer auch immer regiert, er wird automatisch zur Zielscheibe der Satire.“

Dario Fo zu Besuch in Frankfurt, er folgt der Einladung des Galeristen Peter Femfert – Die Galerie, im Grüneburgweg, um der Eröffnung einer Ausstellung seiner malerischen Arbeiten bei zu wohnen. Der Dramaturg und Maler ist gegenwärtig das prominentes und einflussreichste Mitglied von Beppe Grillo’s MoVimento 5 Stelle in Italien.

Nils Bremer berichtet von Treffen von Fo mit Studenten an der Fankfurter Universität, nachzulesen im Journal Frankfurt

Der Literaturnobelpreisträger, Dramaturg und Theatermacher Dario Fo stellte sich, sieben Tage nach dem Tod seiner Frau Franca Rame und Mitautorin seiner Theaterstücke, am 6. Juni, an der Johann Wolfgang v. Goethe Universität den Fragen einer kleinen Gruppe von Studenten. Er spannt einen Bogen von dem großen Italiener aus da Vinci bis zu Beppe Grillo.

Natürlich geht es um Kulturfragen, um Kunst und Politik, um die Frage der Selbstbestimmung des Menschen. Er wird gefragt:

 „Braucht der Mensch Führung, brauchen Sie Führung?“

Er antwortet mit Anekdoten aus dem Leben des Universal Genies. Dario Fo bekennt, wie ihn Leonardo da Vinci als junger Mann faszinierte, erzählt vom Entdecker und Erfinder, dem  Wasserbauer und dem Künstler da Vinci. „Also ja, ich ließ mich führen von seinen Geschichten“

Von Fo’s Erzählungen sind auch die Studenten aus allen Fachrichtungen in dem kleinen Seminarraum fasziniert. Eine Studentin fragt: „Herr Fo, sehen Sie die Besetzung von Häusern als legitimes Mittel des politischen Widerstands?“

In seiner Antwort erinnert der weise Mann an seine politischen Aktivitäten, für die er und seine Frau einen hohen Preis gezahlt haben. „Wie Sie vielleicht wissen, bin ich mehr als einmal festgenommen worden, wir saßen auch im Gefängnis und meine Frau wurde Opfer einer Vergewaltigung. Wir haben gemeinsam mit Arbeitern zusammen Fabriken besetzten, damit diese nicht dicht gemacht wurden. Da hingen auch Zulieferbetriebe dran, ganze Industriezweige und viele Arbeitsplätze“

Dario Fo, der Schauspieler und Dramaturg bekennt sich zu Beppe Grillo und seinen politischen Zielen. Er unterstützt ihn und warnt davor Grillo zu unterschätzen, wie es der Kanzlerkandidat der SPD getan hat, als er ihn einen Clown nannte. Grillo wird auch deshalb in Italien verächtlich gemacht, weil er dazu aufrief die Alimentation der Politik zu begrenzen bzw. zu beenden. Daraufhin sei Grillo insbesondere von den Medien Berlusconis niedergemacht worden und ihm würde unterstellt sich persönlich zu bereichern. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Auch auf der Veranstaltung in Frankfurt erzählt Fo die „Geschichte einer Tigerin“. Er begibt sich mit irrwitzigem Humor auf eine Spurensuche, vor dem Hintergrund der „Großen Chinesischen Revolution“.

 „Die Geschichte eines Soldaten der vor den Banditen von Chian Khaishek flieht, verwundet wird und auf eine Tigerin und ihr Junges trifft. Aus dieser ungewöhnlichen Wohngemeinschaft entspringen komische Verwicklungen, die das verrückte Geschehen spannend machen. Die Tigerin rettet dem Soldaten das Leben und behandelt seine Wunde mit ihrer Spucke. Nachdem der Soldat sie mit gebratenen Fleisch verwöhnt, flüchtet er in ein chinesisches Dorf – die Tiger und die Banditen finden seine Spur und verfolgen ihn.“

Dario Fo zitiert die Bauern von Shanghai:

„Wer den Tiger hat, der leistet Widerstand, auch wenn er die Glut in der bloßen Hand aufheben muss. … Wer den Tiger hat, verpflichtet sich, mitzumachen, stets gegenwärtig und verantwortlich zu sein. Nicht aus Misstrauen gegen vertrauenswürdige Parteisekretäre, sondern weil es ein idiotisches Krebsgeschwür gibt, das dem Klassenkampf schadet: die blinde Vertrauensseligkeit. Sie ist der Gegner von Vernunft und Revolution.“

Und Leonardo da Vinci – , der sei ja auch ein Dieb gewesen, ein Know-How-Dieb und in diesem Sinne solle auch das studentische Publikum an der Frankfurter Uni aktiv bleiben.

#GovernoMinestrone

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Die Krake Namens Berlusconi

Italien im Würgegriff der Krake Berlusconi. Die neue Regierung unter Enrico Letta ist also jetzt die Melange, die den Reformstau im Land Dantes auflösen will! Weiter wurschteln wird zum Regierungsprinzip. Ein Innenminister (Angelino Alfano) des Plutokraten Berlusconi, da kann ja hübsch weiter manipuliert werden. Im Italien Berlusconis herrscht der Neopotismus und alle Versuche der Jugend sich von der Krake B. zu befreien, wird wohl auch von Enrico Letta torpetiert werden.

Die Medien haben den Cavaliere herbei geredet und jetzt wird es auch Realität, er ist zurück auf dem Weg zum Senator auf Lebenszeit und vielleicht auch auf dem Weg in den Präsidentpalast, da ist er dann sicher vor der standhaften Staatsanwältin aus Mailand.

Im Hafen von Castiglione della Pescaia habe ich einmal gesehen, wie ein Fischer mit einer frisch gefangenen Krake umgegangen ist, er hat sie mehr mals, mit aller Kraft auf die Kaimauer geschlagen, so soll das Fleisch zarter sein, wenn es zubereitet wird. Ein martialisches Bild. #GovernoMinestrone

  • Ein lesenswerter Text zu Italien ist der Blogeintrag Der Triumph der Vergeblichkeit  von Petra Reski aus Venedig.
  • Eine große Koalition für sehr große Probleme (mehr)

Journalistentugend II: Wem gehört die Nachricht?

Eine Bewegung aus dem Nichts

„(..) Von seinem Weblog lancierte Grillo die Idee der „Meet-ups“: kleine, renitente Zellen, Hilfe zur Selbsthilfe im Kampf gegen Umweltverschmutzung, Korruption, Mafia. Im Jahr 2005 kam es in Turin zum ersten nationalen Treffen. Von dem kaum jemand Notiz nahm. Jedenfalls niemand von Italiens Politkaste und den ihr zur Verfügung stehenden Zeitungen : „Il Giornale“ und „Libero“ gehören Silvio Berlusconi, die „Repubblica“ und der „Espresso“ gehören dem linksliberalen Finanzier Carlo De Benedetti, Ex-Chef von Olivetti und Fiat, die Familie Agnelli hält sich die Turiner „Stampa“, und die Wirtschaftszeitung „Il sole 24 Ore“ gehört dem italienischen Unternehmerverband. Die „Unità“, ehemalige Parteizeitung der Kommunistischen Partei, gehört einem der reichsten Männer Italiens, dem Unternehmer Renato Soru, Ex-Präsident der Region Sardinien, Gründer der Telekommunikationsfirma Tiscali. Bis auf einen sind alle Privatsender im Berlusconis Besitz, die RAI gehört demjenigen, der gerade die Macht hat, im Zweifel also auch Berlusconi – da mag es nicht erstaunen, dass das Ergebnis eine systematische Desinformation ist. Die auch noch mit staatlichen Geldern subventioniert wird. Die einzige Zeitung, die auf diese Subventionen verzichtet, ist die von einer Handvoll Investigativjournalisten gegründete Zeitung „Il Fatto Quotidiano (..)“. (Petra Reski, im Tagesspiegel, vom 4.März 2013)

Reski’s Bericht ruft in mir die Frage auf: In welcher Weise nehmen die Eigentümer der Leitmedien in unserem Land Einfluss auf die veröffentlichte Meinung? Wem gehört die Nachricht?

Wie frei und unabhängig sind die Redaktionen und die Journalisten? Wer bestimmt den Nachrichtenwert? Wie wird eine Geschichte lanciert? Welches Selbstverständnis wird an deutschen Journalistenschulen gelehrt?

Am Beispiel der Berichterstattung nach den Parlamentswahlen in Italien, wird deutlich, wie aus einer Niederlage der Konservativen, die Journalisten ein Sieg herbei schreiben. Das Bündnis Berlusconis verliert 6 Millionen Wähler gegenüber den Wahlen 2009 (-20%), aber die Journalie vergleicht seine Stimmen nicht mit den letzten Parlamentswahlen, sondern mit Umfragewerten der Monate zu vor. Die Referenzgröße wird beliebig verändert, dabei wird verglichen, was unvergleichbar ist. Die Nachricht wird eingefärbt – manipuliert!

Ist der Journalist ein Chronist der Zeit? Referierend, ein Welterklärer? Der Anwalt der Nachricht selbst, ihr allein verpflichtet zur akribischen Wiedergabe? Ist er Diener der Macht oder der Anwalt der Ungehörten? Mal räsonierend, mal pointierend? Wie engagiert darf der Journalist sein, wie viel Zurückhaltung verträgt Aufklärung? Wem und was verleiht er seine Worte und seine Stimme?

Hans Joachim Friedrichs, der Anchorman der Tagesthemen, wird mit der folgenden Aussage zitiert:

 „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache,  auch nicht mit einer guten Sache.“

Dieser Satz ist verstörend und bereitet mir unbehagen, denn was heißt er ganz konkret? „Gemein“ und „gut“ sind Bewertungen, die im Auge des Betrachters liegen, also zwischen den Ohren, vom Mandelkern getrieben, die im Kopf des Chronisten entstehen. Es sind Interpretationen. Der Satz wird gerne zitiert, wenn Journalisten all zu engagiert vorgehen –  „cool bleiben, aber nicht kalt!“  Wie geht das? Ist das nicht eine contra dictio in termini? Es kommt fluffig rüber und man mag sich damit gerne gemein machen, hat die Aussage das Zeug zu einem Koan oder ist sie sinnleer? Sich nicht gemein machen, meint Friedrichs damit, die Journalistin grenzt sich ab, identifiziert sich nicht mit dem Thema, schützt sich quasi auf einer psychologischen Ebene vor dem Thema selbst – ist es das? Was ist dann wohl das journalistische Selbstverständnis der Emma Herausgeberin Alice Schwarzer? 

In der chirurgischen Diagnostik gibt es die Vorgabe der Superposition, d.h. eine Fraktur eines Knochens wird nur bestimmt bzw. ausgeschlossen, mit einer X-Rai Aufnahme, aus zwei verschiedenen Positionen, d.h. mit zwei Aufnahmen, die sich mindestens im Winkel von 180° von einander unterscheiden. Was wäre so eine Superposition bei der Berichterstattung der Journalisten, sollten sie aus zwei Blickwinkeln berichten, die um 180° gedreht sind, ohne etwas wegzulassen und ohne etwas hinzu zufügen? Die Berichterstatterin soll sich „nicht gemein machen mit der Sache“, heißt das, die Journalistin lässt sich nicht vom Eigentümer des Mediums instrumentalisieren, von einer politischen Ideologie, einer herrschenden Meinung?

Friedrich’s Postulat ist meiner Ansicht nach erklärungsbedürftig. Was wohl die Journalisten, wie Sonia Mikisch, E.D. Lueg, Friedrich Nowottny oder Erich Böhme H.J.Friedrichs entgegnen würden?  Was ist das Selbstverständnis des modernen Journalismus? Gibt es eine Selbstverpflichtung, was ist ein ethischer Journalismus? Einer der nicht manipuliert oder wenn er manipuliert, diese ankündigt?

ARD und ZDF haben in ihrer Berichterstattung zum Ausgang der Parlamentswahlen in Italien keinen Qualitätsjournalismus präsentiert. Sie haben nicht informiert, nicht mit Fakten z.B. zur Wählerbewegung aufgewaretet und den Zuschauer aufgeklärt, sondern bekannte Stereotypen bedient – (siehe dazu die Kolumne von Jens Berger, in der taz, vom 28.02.d.J.).

Da wollte man witzig sein und meinte mit clownesken Vergleichen die Zuschauer am Bildschirm zu binden, mit vergleichen, wie Pizza Grillo und Spaghetti alla Berlusconi usw..

Bierseeliger, sauerkraut-wurstiger Journalsimus. Wie anders artig waren da die Berichterstattung, zu den Präsidentschaftswahlen in Russland und den USA. Gibt es da keine Qualitätsstandarts, keine definierten Anforderungen oder Akzeptanzkriterien? Wäre ja auch blöd, wir würden, aufgrunde der Berichte etwas dazu lernen -, wir sind ja die Unverbesserlichen.

Grillo will informieren, er ist der Typus des Homo journalistucus, der offenbaren will, ganz im Sinne von Joseph Pulitzer. Bei Grillo ist es der Ministerpräsident Bettiono Craxi („mani puliti„), bei Pulitzer war es der republikanische Präsident Theodor Roosevelt (Panama affair 1909).

„I know that my retirement will make no difference in its [my newspaper’s] cardinal principles, that it will always fight for progress and reform, never tolerate injustice or corruption, always fight demagogues of all parties, never belong to any party, always oppose privileged classes and public plunderers, never lack sympathy with the poor, always remain devoted to the public welfare, never be satisfied with merely printing news, always be drastically independent, never be afraid to attack wrong, whether by predatory plutocracy or predatory poverty.“

Sein journalistischer und politischer Erfolg ist seine kabarettistische Rhetorik, er will die politsiche und mediale Macht demaskieren. Er klagt an, wo andere schweigen, lobt, wo Klagelieder ertönen, ist laut, wo andere leise sein würden. Er handelt politisch, ergreift das Wort, wo andere in Starre verharren. Mit seinem Blog ist er Chronist seiner Zeit und Katalysator der Wut, er lässt teilhaben, die, die unerhört sind.

„New principles for journalism, which were: Seek the truth and report as fully as possible on a story; be transparent; and engage the community as an end.“[1]

Die Journalistin entschlüsselt und beschreibt, sie verwortet das Ungesagte, vertont das Umgehörte und illustriert das Unerkannte, sie trennt die Beschreibung von der Interpretation und Ironie. Be cool and burn for the issue!

Beppe Grillo: Deutsch untertiteltes Interview

Wer ist Beppo Grillo? Einer der sich empört und der Jugend seine professionelle Stimme gibt und eine Plattform, um sich miteinander zu vernetzen. Einer der sagt: Der Zugang zum Internet muss ein Grundrecht für alle sein. Einer der von Neugierde und Wissensvermehrung spricht. Seine Empörung stiftet Lebensmut und ist von Würde und Humor für seine Mitmenschen geprägt und von Verachtung gegenüber der Plutokratie und Vetternwirtschaft in der real-existierenden Politik.

Er stellt einen Verhaltens Codex auf, den alle aufgestellten Kandidaten für das Abgeordnetenhaus und des Senats unterschreiben mussten. Er trennt in eigener Person Mandat und politische Sprecherfunktion, er schickt Sachverstand ins Parlament.(Programm M5S)

„Wir erleben eine historische Veränderung – der Kultur, der Politik, der Wirtschaft. Es geht um etwas Anderes, nicht darum, Allianzen zu diskutieren. Es geht um Partizipation, um Teilhabe der Bürger an der Ausgestaltung des Staates und dass sie diesen nicht Leuten überlassen wollen, die die Worte verdrehen, die von Demokratie reden und Bevormundung meinen, die von Freiheit reden und Knechtschaft installieren, die von Friedensmission reden und Krieg meinen, von Wachstum reden und Arbeitsplatzabbau meinen, von parlamentarischer Arbeit reden und üppige Selbstversorgung meinen.“

Gegenüber der Time sagt er auf die Frage zu seiner Rolle:

„I channel all this rage into this movement of people, who then go and govern. They should be thanking us one by one. If we fail, [Italy] is headed for violence in the streets. But if we crumble, then they come. Everything started in Italy. Fascism was born here. The banks were born here. We invented debt. The mafia, us too. Everything started here. If violence doesn’t start here, it’s because of the movement. If we fail, we’re headed for violence in the street. Half the population can’t take it anymore.

Do you think Italy should leave the Euro?

I’ve never said I want to be in or out of the euro. I said I want correct information. I want a plan B for survival for the next ten years. And then, with a referendum we decide. The costs and benefits, let’s know what are they are. But first you need to inform.

Read more: http://world.time.com/2013/03/07/italys-beppe-grillo-meet-the-rogue-comedian-turned-kingmaker/#ixzz2MsBxm4A6

Ecco perché Grillo ha vinto by Adriano Celentano da “ll Corriere della Sera 6.03.2013

„Gib den Menschen keine Fische, sondern eine Angel und lehre sie zu fischen“ Confuzius

Dario Fo: Populista vs. Damagogista

Poco prima della rivoluzione – by Dario Fo

„A lot of people are writing to me and telephoning, and there are even those who come up to me in the street to ask me: “but don’t you think that Grillo, apart from his talent, is in fact a populist?

Hang on a minute – I say – do you know the meaning of the term “populist”?
The dictionary says that a populist is one who wants to improve the situation of the people so that they can escape from the violence, the blackmail and the exploitation of the ruling class. Thus it is a positive term and it is completely the opposite of the other term: demagogue. Perhaps those people who casually use the term ‘populist‘ to denigrate an opponent, should go back to the dictionary and look up the word “demagogue” and they would find that it means ‘a person who uses well thought out hypocrisy to exploit the naïvety of a population to gain unwarranted advantage’.
Thus, dear friends, you have got the wrong term.
Now, it’s good practice when you are describing the behaviour of someone like Grillo, to know the meaning of the term that you choose.
Now take care. What I’m talking about is not just me being pedantic about words, but it’s something that insists on paying serious attention to the knowledge of the language.
Thus we are talking about having a very serious attitude when we are talking about a dialectical discussion.
This attention to detail is important especially nowadays, when all the media, the parties and above all the wise men of politics, the ones that say they understood everything about the new protest movement right from the start, now find that they are completely lost while sitting on the ground in the middle of the pile of shit which is the real world. These people either all together in chorus or on their own as soloists have been chanting their verdicts, so convinced that it was a matter of a bit of buffoonery without any political coherence. They scoffed: “We have already seen the exploits of the ‘ordinary man’ and the protest movements in 1968… they came into being and just as fast they exploded and smashed to pieces at their first encounter with reality.
The reason for those ephemeral meteors is doubtless the simple-mindedness of a generic protest, not backed up by even the tiniest bit of political analysis, but mixed up in the usual anarchic hotchpotch that has seen unrealistic characters like Lenin or the usual followers of Amadeo Bordiga, the caricatures of popular leaders, like Cola of Rienzo andMasaniello, who in fact ended up being lynched by their own supporters.
What happened at the end of an election campaign in which the conduct of all the parties was, to say the least, atrocious, and then when you think of the 5 Star Movement, it came out with a success that was way beyond every expectation.
I myself who have been experiencing things from inside the MoVement, I was just astonished by the final result. An event of this magnitude has never before happened in the whole of Europe. For someone not to understand that, means that they are completely obtuse.
Unfortunately in politics we have a heap of puffed up imbeciles who reckon they can sort out their simple-mindedness by winking and using little tricks.
Right now we are witnessing something like the dance of the stunned “tarlocchi”.

I’m sorry for you, dear masters of scornful gestures, but this time the dance is a different one. The orchestra, the musicians and the dancers have changed. It’s no longer “tango casquè” but “Rock”. (sung grammelot)
with anyone who is acting like a crafty fox and who stretches out their hands too much towards their backsides, being thrown into the air.“ (sung grammelot)
by Dario Fo 6.march 2013 via beppe grillo

Großartig – was in Italien passiert, es gleicht einem Wunder und doch ist es das Ergebnis von harter Arbeit. Seit 2005 mobilisiert Beppe Grillo, mit Hilfe von klugen Leuten, wie u.a. mit Dario Fo, Andrea Camillieri und Adriano Celantano eine Graswurzelbewegung, die der Jugend Italiens ein neues poltisches Zuhause gibt. Am Ende ist eine neue dritte Kraft im politischen Spektrum Italiens entstanden, jenseits der alten Sphären von rechts und links.

Es wird beispielhaft sein und Europa nachhaltig verändern, so wie immer wieder, das europäische Kulturleben, von Italien aus neu erfunden wurde. Es ist nicht ungefährlich, weil es gerade in Italien mafiose Kräfte gibt, die um ihre angemehmen „Wohnungen“ bangen müssen. Die Bewegung von Beppe Grillo bereitet gerade diesen Mächten unbehagen und sie werden der Jugend nicht kampflos das Spielfeld räumen, dass sie so lange unbekümmert bespielen konnten. Sie werden mit aller Macht versuchen die Kräfte mittels Bestechung aufzuweichen.

Das Programm der MoVimento  5 Stelle umfasst 20 Punkte, zwei will ich hervor heben, da ist einmal die Forderung nach einer Wahlreform und zweitens einer Reform der Parteienfinanzierung. Luigi P. Barsani wird diesen Forderungen nur untergeordnete Wichtigkeit zu gestehen und am Ende eine Regierung der sog. „nationalen Einheit“ mit der Partei Berlusconi’s suchen – eine große Koalition. Er wird, gegen besseres Wissen vor Reformen zurück schrecken, die längst überfällig sind.

mehr zum Thema via: Petra Reski, Ulrike Guérot, Lutz Klinghammer, Thomas Hauschild