Der Deutsche Weg spaltet Europa

Alles hört auf mein Kommando, so donnerte es noch Ende August aus allen Lautsprechern. Die europäische Öffentlichkeit war Damals von den Kanzlern aus Berlin und Wien zum Appell gerufen worden. Inzwischen weht ein eisiger Ostwind über die Stadtwüste der Sandbüchse – es pocht laut und unfreundlich an die Türen im Spreebogen – Warschau, Prag und Bratislava folgen dem Mann aus Budapest und nicht der mächtigen Frau in Berlin.

Ein Sommer ging zur Neige und erwartet einen goldenen Herbst. Die Kanzler hatten  in ihrem Appell die allgemeine Einreise-Freiheit Anno 2015 verkündet. Wer jetzt, im fernen Orient nicht die Beine in die Hand nahm und zu laufen begann, der verpasste die Sternstunde seines Lebens. Die Sternstunde für einen Neuanfang, mit allem, was man sich dafür wünschen konnte. Der merkelsche Appell wird zum Aushängeschild einer neuen Asylpolitik.

Weil die griechischen Grenzer die Bewachung der europäischen Südgrenze aufgaben, konnten jetzt die Suchenden ungehindert durch marschieren, nicht Athen war das Ziel, sondern der „kalte“ Norden; und türkischer Geschäftssinn vereint sich mit griechischem EU-Frust. An den Küsten zwischen Izmir und Antalya befriedigen sie jetzt die Bedürfnisse neuer Reisegruppen, machen „Kohle“ mit dem Verkauf von waghalsigen Schiffspassagen, mit, für die Hochsee untauglichen Schlauchbooten, bestückt mit ausrangierten Schwimmvesten; zuvor halbierte der UNHCR, in den Lagern jenseits der syrischen Kampfzonen, die Mittel für die Flüchtlingshilfe auf $ 15 im Monat.

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Die doppelte Staatsbürgerschaft – die Achillessehne für das politische Amt

Das niederländische Parlament (Tweede Kamer) hat einen neuen Vorsitzenden gewählt, nachdem die Vorgängerin nach drei Jahren, wegen einer politischen Affäre zurück getreten ist.

Die neue Vorsitzende Mevr. Khadija Arib, vergleichbar mit dem Bundestagspräsidenten Lammers, sitzt seit 17 Jahren für die sozialdemokratische Partei (PvdA) im niederländischen Parlament. Doch die niederländische Öffentlichkeit ist gespalten, insbesondere die rechtsnationalen Teile im Land bezweifeln, dass Khadija Arib eine überparteilich neutrale Parlamentsvorsitzende sein kann.

Die neue Vorsitzende selbst definiert das Amt als einen Dienst am Parlament, doch wird sie ihren streitbaren Charakter dazu in Einklang bringen, sich zügeln? Das fragt sich die politische Niederlande. Wird ihr nicht sogar am Ende ihre doppelte Staatsbürgerschaft zur Achillessehne, wenn es darauf ankommt – Spitz auf Knopf? Wird sie immer durchgängig als Niederländerin oder dann und wann auch als Marokkanerin ihr Amt ausfüllen?

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Augstein weiß, was Deutsche wollen

Es ist noch nicht vorbei. Was in der Silvesternacht auf der Domplatte in Köln passierte erhitz weiterhin die Gemüter der deutschen Öffentlichkeit und das zu recht. Empörung folgt auf Empörung. Die neue Empörungswelle gilt jetzt den Deutschen – Bio-Deutschen selbst, jenen die sich empören über das was da zum Jahreswechsel den Frauen Ungutes widerfuhr.

Wir erleben ein Land im Zustand der sozialpsychologischen Kernschmelze: Kultureller Hochmut gegenüber dem Islam verbindet sich mit der Abwehr des eigenen Sexismus. Das ist eine brisante Mischung. Überraschend ist, wie anfällig die Deutschen sind. (J.A.)

Die Deutschen oder Jakob Augstein? Er empört sich, weil sich andere empören? Weil andere Roß und Reiter nennen, wo er fabuliert? Was haben die Deutschen getan? Sie haben sich zu recht empört. Seit der Franzose und UN-Diplomaten Stéphane Hessel uns Indignez-vous ans Herz gelegt hat – ist es modern sich zu empören, wütend zu sein – Gefühl zu zeigen.

Die Piruetten des politischen Disputes versetzt einen in Staunen, wo wir doch eigentlich „an einem Strang“ ziehen sollten. Ein Highlight dieses Empörungswechsel ist die jüngste Kolumne Jakob Augsteins im Spiegel. 

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Wie Antirassismus zum Rassismus erzieht

Du bist oder ich bin – das ist hier die Frage. Ein Text den ich wärmsten empfehle, er ist meinerseits all denen gewidmet, die anderen das Fürchten lernen wollen, die andere von ihrer moralischen Überlegenheit überzeugen wollen …

Differentia

Dieser Film erzählt, wie Rassismus eingeübt und trainiert wird. Ein rassistisches Beobachtungsschema kennt nämlich keinen Antirassismus, weil jeder Antirassismus das gleiche rassistische Beobachtungsschema benutzt.

Rassismus wird dadurch kommunikabel, dass Handlung von Menschen einerseits eingeteilt werden in solche Handlungen, die sie selbst mit Sinn versehen haben, weil diese Handlungen als gewählt erscheinen und ihre Zurechenbarkeit darum als Absicht genommen wird; und andererseits in solche Handlungen, die nicht einer eigenen Wahl unterliegen und die trotzdem zugerechnet werden. Damit ist die Handlung der anderen gemeint. Man kann Handlung wählen (oder unterlassen), aber man kann nicht die Handlung der anderen und damit auch nicht die Handlung der Zurechnung von Eigenschaften wählen. Das heißt: Rassimsmus ist – im Gegensatz zu Feminismus – Fremdstigmatisierung. Feminismus aber ist Selbststigmatisierung.
Der Vorgang der Fremdstimatisierung geschieht zum Beispiel durch eine Handlung, in der Menschen sich der Wahrnehmung und der Ansprechbarkeit anderer aussetzen, also eine gewählte Handlung zur Kommunikation anbieten…

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Er ist wieder in aller Munde

Er war nie wirklich fort. Als ich noch ein Kind war, an einem fernen Ort, in einer anderen Republik, dachte ich, so wie man über diesen Bösewicht spricht müsste es eigentlich überhaupt keinen Zweifel darüber geben, dass dieser Mensch aus dem kollektiven Bewusstsein verdrängt gehört, verbannt in die hinters Ecke des Universums.

Das Gegenteil ist der Fall – der Tyrann ist so present, dass man getrost sagen kann, er war nie weg und so kann der aktuelle Hype um die kommentierte Neuausgabe seines politischen Manifestes, meines Erachtens nicht als Beitrag zur Aufklärung verstanden werden, sondern als ein wiederkehrender Marketingcoupe. Es geht darum das Tyrannenbekenntnis mit blutigen Anmerkungen jetzt auch im neuen Deutschland marktfähig zu machen, d.h. die Marke des Diktators, mit den Mitteln des akademischen Diskurses moralisch aufzuwerten. Für mich kann es nur eine Absicht geben, die Marke des  Tyrannen zu dekonstruieren und nicht neu zu erfinden.

Die Herausgeber des kommentierten Manifestes – es sei angemerkt, ausschließlich Männer – reklamieren für sich, die Schrift mit den Anmerkungen zu entmystifizieren, sie von einem Geheimnisse umwitternden Flies entkleidet zu haben. Das ist anmaßend und nichts anderes als der Ausdruck eigener Selbstüberschätzung, aber wie sollte man auch diese Neuedition, 70 Jahre nach dem Tod des großen Diktators anders rechtfertigen, als mit solchen Versprechungen, dabei ist sie so überflüssig wie ein Kropf, weil sie nichts wirklich Neues hervor bringt.  Weiterlesen

Kurt Tucholsky: Ideal und Wirklichkeit

nit möööglich!

A
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In stiller Nacht und monogamen Betten
denkst du dir aus, was dir am Leben fehlt.
Die Nerven knistern. Wenn wir das doch hätten,
was uns, weil es nicht da ist, leise quält.
Du präparierst dir im Gedankengange
das, was du willst – und nachher kriegst das nie …
Man möchte immer eine große Lange,
und dann bekommt man eine kleine Dicke –
C’est la vie -!

Sie muß sich wie in einem Kugellager
in ihren Hüften biegen, groß und blond.
Ein Pfund zu wenig – und sie wäre mager,
wer je in diesen Haaren sich gesonnt …
Nachher erliegst du dem verfluchten Hange,
der Eile und der Phantasie.
Man möchte immer eine große Lange,
und dann bekommt man eine kleine Dicke –
Ssälawih -!

Man möchte eine helle Pfeife kaufen
Und kauft die dunkle – andere sind nicht da.
Man möchte jeden Morgen dauerlaufen
und tut es nicht. Beinah…

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Unterwerfung – Nichts ist unmöglich


Was für ein Mummenschanz führen da die Kölner auf? Ist das Teil des närrischen Treibens? Es heißt ja diesem Jahr – „mer stelle alles op der Kopp“ und sie beginnen gleich zum Jahreswechsel damit, wenn sie meinen: Es kann nicht sein, was nicht sein darf.  

Ein Grundgedanke der freie Journalistik ist, dass Informationen allumfassend sind. Und das heißt, ein Ereignis wird, welcher Art auch immer, wie ein Befund, aus mehr als einer Perspektive beleuchtet und analysiert. Wo wären wir Heute, würden wir uns immer nur auf die eine Sichtweise verlassen? Ohne Superposition bzw. Supervision wird die einseitig dargestellte Wirklichkeit zum Fallstrick.

Die aktuellen Ereignissen vom „Kölner Straßenterror“ sind ein verstörendes Beispiel dafür. Da bildet ein enthemmter „Migrantenmop“ Spaliere und setzt willkürlich Mädchen und Frauen einem Spießrutenlauf aus.

Dennoch es dauert. Eine Woche vergeht bis die erschütternden Fakten der breiten Öffentlichkeit endlich bekannt gegeben werden und auch die Kanzlerin sich dazu äußert.
Am 7. Tag nimmt schließlich auch der Spiegel kein Blatt mehr vor den Mund und nennt Details des „Straßenterrors“.

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